• 22.02.2018
  • 16:24 Uhr

Parkland-Massaker: „Bewaffnete Lehrer könnten mögliche Täter abschrecken“

Doch statt mit schärferen Waffengesetzen sympathisiert der US-Präsident vor allem mit einer Maßnahme: Mehr Sicherheit durch mehr Waffen!

Es war einer der bewegendsten Momente im weißen Haus. Am gestrigen Abend empfing US-Präsident Donald Trump Überlebende und Angehörige der Opfer des Schulmassakers in Florida, bei dem am vergangenen Mittwoch 17 Menschen ums Leben kamen. In einer einstündigen Gesprächsrunde zeigten die Beteiligten vor laufender Kamera dem Präsidenten ihre Trauer, Schmerz und Wut und baten ihn größtenteils um eins: Schärfere Waffengesetze!

Einer von ihnen war Samuel Zeif. Der 18-Jährige verlor beim Massaker  seinen besten Freund. Unter Tränen erzählt er: „Stark soll ich sein. Aber das ist schwer. Ich weiß nicht, wie ich diese Schule jemals wieder betreten soll. Mein bester Freund ist tot. Ich könnte aber immer noch einen Laden betreten und eine Waffe wie die AR-15 kaufen?“. Auch Andrew Pollacks, dessen Tochter von Nicolas Cruz erschossen wurde, feuerte harte Worte gegen die aktuellen Waffengesetze. „Ich darf keine Wasserflasche mit an Bord eines Flugzeugs bringen, aber jemand kann mit einer Waffe eine Schule betreten?“

Aussagen, die nicht nur zu Tränen rührten, sondern Trump in die Enge trieben. Denn bislang äußerte er sich wenig über mögliche Änderungen im Waffengesetz.

Während des Gesprächs kamen viele Ideen zur Änderung des Waffenrechts in den USA zustande. Doch die meisten sind besonders für die Betroffenen alles andere als befriedigend.

Neben Präventionen wie psychologische Betreuungen an Schulen oder mehr Schul-Initiativen für ein friedliches Miteinander, sympathisiert der Präsident besonders mit einer Idee:

Mehr Waffen für mehr Sicherheit

So könnten Lehrer und Schulangestellte künftig mit Waffen ausgerüstet werden. Die Waffen sollen versteckt getragen werden und könnten zur Abschreckung möglicher Taten dienen. „Wir werden uns das sehr genau ansehen“, so Trump. Das hätte jedoch das genaue Gegenteil der Forderungen zur Folge: Es gäbe mehr Waffen an Schulen als zuvor. Weiterhin wolle Trump die sogenannten „Background Checks“ verbessern. Dann wären beim Kauf einer Waffe genauere Details über die potenziellen Käufer notwendig.

Ob diese vagen Vorschläge eine ausreichende Annäherung des Präsidenten an hunderttausende Demonstranten in den USA sind, bleibt fraglich. Seit Tagen protestieren Schüler und Waffen-Gegner gegen die lockere Waffengesetze. Eine Situation, die Trump auf Dauer nicht ignorieren kann. Doch vorrangig scheint er weiterhin ein Ziel zu haben: Er will seine Wähler, die größtenteils Waffen-Sympathisanten sind, nicht verärgern.

  • 18.02.2018
  • 10:27 Uhr

Wutrede gegen Trump: Schülerin geht viral

Die 18-jährige Schülerin war selbst an der Marjory Stoneman Douglas High School in Parkland.

Die Debatte um die laschen Waffengesetze in den USA ebbt auch drei Tage nach dem Amoklauf von Parkland nicht ab. Eine junge Überlebende sorgt jetzt mit einer Wutrede gegen US-Präsident Donald Trump für Aufsehen. Bei einer Anti-Waffen-Demonstration in Fort Lauderdale nimmt es Schülerin Emma Gonzalez nicht nur mit dem Präsidenten, sondern auch mit der US-Waffenlobby National Rifle Association (NRA) auf sich. Nur wenige Stunden nach ihrer Rede ging das Video viral – auf Twitter  wurde ihr Name zu einem der Hauptschlagwörter.

Die 18-Jährige kritisiert Trump dafür, im Präsidentschaftswahlkampf 2016 Gelder der NRA angenommen zu haben und fordert striktere Waffengesetze.

„Wenn der Präsident mir ins Gesicht sagt, dass das eine schreckliche Tragödie war und dass man nichts tun kann, frage ich ihn, wie viel Geld er von der National Rifle Association bekommen hat. Ich weiß es: 30 Millionen Dollar“, brüllt Gonzales ins Mikorofon.

Außerdem weist sie Trumps Kritik zurück, wonach Nachbarn und Schüler die Behörden nicht rechtzeitig vor dem Schützen Nikolas Cruz gewarnt hätten. „Das haben wir immer und immer wieder getan“, so Gonzalez.

 

 

 

Trump äußert sich erstmals zu Waffengesetzen

Nachdem Trump tagelang der Diskussion aus dem Weg ging, postete er jetzt auf Twitter ein erstes Statement zu den US-Waffengesetzen. Demnach hätten die Demokraten zu Beginn der Amtszeit von Barack Obama versäumt, schärfere Gesetze zu erlassen. Sie hätten ihre Mehrheit im Kongress nicht genutzt. „Sie wollten es nicht und jetzt reden sie nur“, twitterte Trump.

 

  • 17.02.2018
  • 17:56 Uhr

Florida: Hätte Amoklauf verhindert werden können?

Schon im Januar war das FBI vor dem Täter gewarnt worden.

Nach dem Amoklauf von Parkland gesteht das FBI nun ein: es gab einen Anruf mit Hinweisen auf den späteren Täter. Es wurde auf die Waffen-Vernarrtheit von Nikolas Cruz hingewiesen und darauf, dass er einen Anschlag plane. Das FBI erklärte, der Anruf sei nicht weitergegeben worden. Man habe nicht weiter ermittelt.
Bereits im vergangenen September soll das FBI einen Hinweis auf Cruz erhalten haben. Es ging dabei um einen Kommentar unter einem Youtube-Video, in dem der Verfasser prahlte: „Ich werde ein professioneller Schul-Attentäter sein.“
Es habe allerdings weder Hinweise auf eine Zeit, einen Ort oder die wahre Identität des Verfassers gegeben, sagte FBI-Ermittler Robert Lasky vor Reportern. Man habe nicht herausfinden können, wer den Kommentar verfasst habe.

US-Präsident Trump besuchte Opfer

Währenddessen besuchten US-Präsident Donald Trump und seine Ehefrau Melanie am Freitagabend Überlebende der Highschool. In einer Klinik in Pompano Beach sprachen sie mit Opfern, Ärzten und Pflegern.

Am Mittwoch hatte Amokläufer Nikolas Cruz an seiner Ex-Schule mit einem Sturmgewehr um sich geschossen und 17 Menschen getötet.

  • 16.02.2018
  • 07:04 Uhr

Schulmassaker in Florida: Schütze hatte Kontakt zu rassistischer Miliz

Präsident Trump macht keine Anstalten, die Waffengesetze zu verschärfen.

Der von der Polizei festgenommene Schütze des Schulmassakers im US-Bundesstaat Florida hat die Taten gestanden.
Der 19jährige Nikolas Cruz war mit einem Uber-Taxi zur Schule gefahren und hatte dort das Feuer eröffnet. Anschließend hatte er sich unter fliehende Schüler gemischt und war unerkannt aus der Schule entkommen. Nach dem Besuch eines Schnellrestaurants konnte ihn ein Polizist festnehmen.
Cruz hat am Mittwoch in seiner früheren Schule, der Marjory Stoneman Douglas High School in Parkland, 17 Menschen erschossen. 15 Verletzte waren am Donnerstag noch im Krankenhaus.

Täter hatte Kontakt zu einer rechtsgerichteten Miliz

Cruz soll der Rassistenvereinigung und Miliz „Republic of Florida“ (ROF) nahegestanden haben. Das sagte ein Sprecher der Gruppierung am Donnerstag der Bürgerrechtsorganisation ADL (Anti-Defamation League).
Der ROF-Sprecher erklärte, Cruz habe an Trainings teilgenommen. Er habe mit anderen Mitgliedern gemeinsame Autofahrten organisiert. Ob Cruz offizielles ROF-Mitglied war oder nur assoziiert, sagte der Sprecher nicht.
Die ROF-Milizen bezeichnen sich als „bewaffnete Kräfte der Übergangsregierung der Republik von Florida“ und als weiße Bürgerrechtsbewegung. Sie kämpfen für einen rein weißen Staat ohne andere Ethnien, der kein Teil der USA ist. Auf der Homepage der ROF wird die Frage „Seid Ihr gewalttätig?“ beantwortet mit „Kurze Antwort: Ja“.

Trump plant Besuch

Nach dem Massaker an der Marjory Stoneman Douglas High School plant US-Präsident Donald Trump einen Besuch des Tatorts. „Ich spreche heute zu einer Nation in Trauer“, sagte Trump am Donnerstag im Weißen Haus.

„Was immer wir tun können, um Euren Schmerz zu lindern, wir sind hier“, sagte Trump an die Adresse der Hinterbliebenen. „Euer Schmerz ist unsere Last.“ Er fügte hinzu: „Kein Kind und kein Lehrer sollte jemals in einer amerikanischen Schule in Gefahr sein.“ Niemals sollten Eltern um ihre Kindern fürchten müssen, wenn sie ihnen morgens einen Abschiedskuss gäben.

„Wir werden alles tun, Euch zu schützen“, sagte Trump. Ohne ins Detail zu gehen sagte der Präsident, man wolle sich des Themas psychischer Erkrankungen annehmen. Der Täter von Parkland war angeblich in psychischer Behandlung gewesen, hatte diese aber zuletzt nicht fortgesetzt.
Trump hatte vor einem Jahr eigenhändig ein Gesetz unterzeichnet, das psychisch Kranken den Erwerb von Waffen wieder erlaubte. Er nahm damit eine Regulierung seines Vorgängers Barack Obama zurück. Trump erklärte, er werde noch im Februar Gouverneure und Generalstaatsanwälte der Bundesstaaten treffen. „Das Thema Sicherheit in Schulen wird die oberste Priorität haben“, sagte Trump.

  • 15.02.2018
  • 12:23 Uhr

Amokschütze lockte Schüler mit Feueralarm auf die Flure

Ein 19-Jähriger schießt an einer High School in Parkland, im Bundesstaat Florida, um sich. 17 Menschen sterben. Der Täter ist gefasst.

An der Marjory Stoneman Douglas High School spielten sich entsetzliche Szenen ab: Schüler schildern wie sie an Leichen und Blutlachen vorbei die Schule verlassen mussten, wie sie sich in Abstellräumen und Spinden oder unter Schulbänken verbarrikadierten. Einige schrieben ihren Eltern per Smartphone: „Was soll ich tun, wo soll ich hin?“

 

 

Laut Senator Bill Nelson soll der Schütze einen Feueralarm ausgelöst haben. Unter einer Gasmaske geschützt habe Nikolas Cruz Rauchbomben gezündet und dann das Feuer auf die fliehenden Schüler und Lehrer eröffnet, berichtet Reporterin Sandra Lange im Video. Er habe große Mengen Munition bei sich gehabt. Nach Medienberichten benutzte er eine halbautomatische Waffe des Typs AR-15 – oder einen Nachbau dieses Modells. Diese Waffe wurde auch bei anderen Bluttaten benutzt, etwa im vergangenen Jahr in Las Vegas, als bei einem Massaker 59 Menschen starben.

 

Schüsse an Schule in FloridaUncredited/WPLG-TV/AP/dpa
Das vom Fernsehsender WPLG-TV zur Verfügung gestellte Video-Standbild zeigt Einsatzkräfte der Polizei, die einen unidentifizierten Mann (dunkelrotes Shirt) festnehmen.

 

Der Schütze konnte festgenommen werden. Er habe keinen Widerstand geleistet. Es soll sich um einen ehemaligen Schüler handeln, der wegen Disziplinlosigkeiten von der Schule geflogen war. Ob dieser Ausschluss ein Motiv für die Tat war, müssen erst die Vernehmungen ergeben. Ein Lehrer sagte am Mittwoch, der Mann habe schon vor seinem Rauswurf nicht mehr mit einem Rucksack auf den Campus kommen dürfen.

 

 

Erneute Diskussion um Waffengesetze

„Das passiert nirgendwo sonst, außer in den Vereinigten Staaten“, sagte der demokratische Senator Chris Murphy aus Connecticut . Er sprach von einer „Epidemie von Massentötungen. Das passiert nicht durch Zufall, nicht durch Unglück, sondern als Konsequenz aus unserer Untätigkeit.“ Die US-Demokraten fordern seit langer Zeit schärfere Waffengesetze, um die Vielzahl der schweren Straftaten mit Toten und Verletzen einzudämmen. Allein im laufenden Jahr ereigneten sich in den USA nach Murphys Darstellung bereits 19 Vorkommnisse mit Schusswaffen an Schulen. Die konservativen Republikaner und die Waffenlobby wollen jedoch keinesfalls Einschnitte beim Recht auf Selbstverteidigung auch mit Schusswaffen in Kauf nehmen.

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