• 15.04.2018
  • 09:30 Uhr

Syrien: Bekommt die Diplomatie wieder eine Chance?

Die Angriffe westlicher Staaten in Syrien scheinen fürs Erste abgeschlossen. Eine Wende in dem seit Jahren tobenden Bürgerkrieg dürften sie nicht bringen.

Seit 2011 tobt in Syrien ein Bürgerkrieg.

Nach den Luftangriffen westlicher Staaten in Syrien werden erneut Forderungen lauter, den seit 2011 tobenden Bürgerkrieg mit Hunderttausenden Toten auf dem Verhandlungsweg zu beenden. „Wir werden bereits Montag Initiativen ergreifen – im Sicherheitsrat in New York, in Brüssel beim Außenministertreffen – um mit allen, die das wollen, den Fahrplan festzulegen“, sagte Frankreichs Außenminister Jean-Yves Le Drian dem Sender TF1.

Gemeinsam mit den USA und Großbritannien legte Frankreich dem UN-Sicherheitsrat einen Entwurf für eine neue Resolution vor. Er sieht laut der Nachrichtenagentur AFP die Schaffung eines „unabhängigen Mechanismus“ für die Untersuchung der mutmaßlichen Giftgas-Attacke vor. Die syrische Regierung im Machthaber Baschar al-Assad wird darin zur Zusammenarbeit mit der Organisation für das Verbot Chemischer Waffen (OPCW) aufgefordert. Zudem wird ein „humanitärer Zugang ohne Einschränkungen“ in ganz Syrien gefordert. Die Beratungen im Weltsicherheitsrat über den Entwurf sollen am Montag beginnen.

 

 

Die Streitkräfte Amerikas, Großbritanniens und Frankreichs hatten in der Nacht zu Samstag mehr als 100 Geschosse auf mindestens drei Ziele in Syrien abgefeuert. Die drei Staaten reagierten damit auf einen mutmaßlichen Giftgaseinsatz am 7. April in der Stadt Duma östlich von Damaskus, bei dem Dutzende Menschen starben.

 

 

Russland scheitert im UN-Sicherheitsrat

Russland spricht von einer Inszenierung der Attacke und weist den Vorwurf einer Mitverantwortung ebenso zurück wie Syrien. Die USA drohen indes mit weiteren Attacken, sollte erneut Giftgas in dem Bürgerkriegsland zum Einsatz kommen. Die US-Streitkräfte stünden dafür parat, hieß es in einer Sondersitzung des Weltsicherheitsrats. Russland scheiterte in dem Gremium aber mit einem Resolutionsentwurf, der den Angriff verurteilt hätte. Der Rat lehnte ihn mit acht zu drei Stimmen ab; es gab vier Enthaltungen.

 

  • 14.04.2018
  • 17:28 Uhr

Raketen auf Syrien: UN lehnt russische Resolution ab

Die USA und ihre Verbündeten haben Ernst gemacht: Mit Angriffen gegen Ziele in Syrien üben sie Vergeltung für den mutmaßlichen Giftgasangriff. Russland droht mit Konsequenzen.

Nach den Raketenangriffen auf syrische Ziele durch die USA, Großbritannien und Frankreich ist Russland am Abend im Weltsicherheitsrat mit einer Resolution gescheitert, die den Angriff verurteilen sollte. Die Dringlichkeitssitzung des Sicherheitsrates war auf Bitten Moskaus einberufen worden. Der Rat lehnte den Entwurf am Samstag mit acht zu drei Stimmen ab. Es gab vier Enthaltungen.

Als Vergeltung für einen mutmaßlichen Giftgaseinsatz in der syrischen Stadt Duma vor einer Woche hatten die Streitkräfte der USA, Frankreichs und Großbritanniens in der Nacht zum Samstag mehr als 100 Geschosse auf mindestens drei Ziele abgefeuert. „Dies sind nicht die Taten eines Menschen“, hatte US-Präsident Donald Trump zuvor in einer Rede an die Nation gesagt. „Es sind die Verbrechen eines Monsters.“ Der französische Präsident Emmanuel Macron meinte: „Die rote Linie ist überschritten.“ Und die britische Premierministerin Theresa May bezeichnete den Angriff als alternativlos.

 

Westen greift Ziele in Syrien an.
Das Pentagon hat Vorher-Nachher-Bilder veröffentlicht: Sie zeigen die Zerstörung der Forschungseinrichtung in Barsah.

 

„Mission erfüllt“: Nach den Luftangriffen auf Ziele in Syrien sparte US-Präsident Donald Trump nicht mit Eigenlob. Es sei ein „perfekt ausgeführter Schlag“ gewesen, schrieb er auf Twitter.

 

 

Syrien und seine Verbündeten Russland und Iran verurteilten den Angriff aufs Schärfste. Der russische Präsident Wladimir Putin sprach von einem Bruch des Völkerrechts.

 

 

Merkel: Militäreinsatz war erforderlich und angemessen

Frankreichs Außenminister Jean-Yves Le Drian nannte den Einsatz hingegen rechtmäßig. Das Vorgehen richte sich nicht gegen die Verbündeten Syriens – Russland und Iran – und auch nicht gegen die Zivilbevölkerung. Assad solle davon abgehalten werden, weiter Chemiewaffen einzusetzen. „Der Militäreinsatz war erforderlich und angemessen, um die Wirksamkeit der internationalen Ächtung des Chemiewaffeneinsatzes zu wahren und das syrische Regime vor weiteren Verstößen zu warnen“, erklärte Kanzlerin Angela Merkel.

 

 

Nach US-Angaben wurden drei Ziele angegriffen – mutmaßliche Chemiewaffenlager und eine Forschungseinrichtung. Berichte vor Ort sprachen von mehr Zielen. An den Militärschlägen waren Schiffe und Flugzeuge beteiligt. US-Medien schrieben von Dutzenden Marschflugkörpern, nach Angaben der syrischen Armee wurden rund 110 Raketen abgefeuert. Die türkische Zeitung „Milliyet“ teilte auf Twitter ein Video von der Militäroffensive. Es handele sich um eine begrenzte, einmalige Aktion. Weitere Schläge seien nicht geplant, sagte US-Verteidigungsminister James Mattis. Nach syrischen Angaben wurden mindestens drei Zivilisten verletzt.

Es ist das zweite Mal, dass die USA und Präsident Trump die Assad-Regierung direkt angreifen. Das US-Militär hatte vor einem Jahr die Luftwaffenbasis Schairat beschossen. Das war eine Reaktion auf den Giftgasangriff mit Dutzenden Toten auf die Stadt Chan Scheichun, für den UN-Experten die Regierung Assads verantwortlich machten.

  • 12.04.2018
  • 20:00 Uhr

Syrienkrise: Und es geht weiter

Donald Trump rudert zurück, die Russen fahren ihre Kriegsschiffe aus einer syrischen Marinebasis.

Nach den Drohungen von US-Präsident Trump gestern, befürchten viele eine Eskalation, eine bewaffnete Auseinandersetzung mit Russland – und schlimmeres. Heute rudert Trump auf Twitter wieder etwas zurück:

 

Aber offenbar gehen auch Frankreich und Deutschland davon aus, dass es zu einem Militärschlag kommen kann.

Laut Experten ist das wahrscheinlichste Szenario, dass Trump mit Marschflugkörpern vom Zerstörer USS Donald Cook aus dem Mittelmeer Syrien angreift.

  • 10.04.2018
  • 20:15 Uhr

Greift Trump Syrien an?

Nach der mutmaßlichen Giftgasattacke droht der US-Präsident mit Konsequenzen.

Es sind schlimme Bilder, mit denen die neue Krise angefangen hat: Kinder, die nach Luft schnappen, apathisch auf dem Boden kauern. Laut der syrischen Opposition nach einem Chlorgasangriff der syrischen Armee auf die Stadt Duma. Ob das stimmt, lässt sich bisher nicht unabhängig überprüfen. Doch Bundeskanzlerin Angela Merkel hat keinen Zweifel: „Und es ist schon erschütternd, muss ich sagen, dass nach so vielen internationalen Diskussionen und Ächtungen immer wieder Chemiewaffen dort eingesetzt werden. Und davon müssen wir leider ausgehen.“

Schon gestern Abend hat US-Präsident Trump Konsequenzen angekündigt: „Wir analysieren die Situation sehr genau. Und dann werden wir in den nächsten 48 Stunden eine große Entscheidung treffen.“ Und er meint es offenbar ernst, denn deshalb hat er heute sogar seine Südamerika-Reise abgesagt.

Die syrische Armee hat sich schon in höchster Alarmbereitschaft aufgestellt, in Vorbereitung auf einen Angriff der USA. Wie Trump tatsächlich reagieren wird, wird sich wohl in den nächsten Stunden zeigen. Möglich ist, so wie beim Giftgasangriff vor einem Jahr, ein Luftschlag auf eine MIlitärbasis. Zum Beispiel mit dem Verbündeten Frankreich.

Russland hat im Weltsicherheitsrat gefordert, dass der Giftgasangriff erstmal untersucht wird. Und genau dafür will die Organisation für ein Verbot von Chemiewaffen jetzt Experten nach Duma schicken.

© 2018 RTL II News | Alle Rechte vorbehalten.

Cookies erleichtern unter anderem die Bereitstellung unserer Dienste und helfen uns bei der Ausspielung von redaktionellen und werblichen Inhalten sowie der Analyse des Nutzerverhaltens. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Mehr Infos zum Datenschutz

The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

Close