• 15.03.2018
  • 16:42 Uhr

Der Westen zeigt mit dem Finger auf Putin

Im Fall des Gift-Attentats auf Sergej Skripal stellen sich die Regierungen in Berlin, Paris und Washington an die Seite Londons.

„Es handelt sich um einen Übergriff gegen die Souveränität des Vereinigten Königreichs“, erklärten die Staatschefs aller vier Länder in einer gemeinsamen Erklärung. „Ein solches Vorgehen verletzt eindeutig die Bestimmungen des Chemiewaffenübereinkommens und das Völkerrecht. Es bedroht unser aller Sicherheit.“

„Erste Anwendung von Nervengift in Europa seit dem 2. Weltkrieg“

Großbritannien habe seinen Partnern gegenüber im Detail dargelegt, dass Russland mit hoher Wahrscheinlichkeit die Verantwortung für den Anschlag trage. „Wir teilen die Einschätzung des Vereinigten Königreichs, dass es keine plausible alternative Erklärung gibt.“ Zudem stelle man fest, dass Russlands Weigerung, auf die berechtigten Fragen Londons einzugehen, „einen zusätzlichen Anhaltspunkt für seine Verantwortlichkeit ergibt“.

Die Verfasser der gemeinsamen Erklärung verlangen von Moskau, zu allen Fragen Stellung zu nehmen, die mit dem Anschlag im britischen Salisbury verbunden seien. Russland solle insbesondere das Programm im Zusammenhang mit dem Nervengift Nowitschok voll umfänglich gegenüber der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OVCW) offen legen.

Der Einsatz eines militärischen Nervenkampfstoffs eines Typs, wie er in der früheren Sowjetunion entwickelt wurde, stelle „die erste offensive Anwendung eines solchen Nervengifts in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg dar“, schreiben Kanzlerin Angela Merkel (CDU), der französische Präsident Emmanuel Macron, US-Präsident Donald Trump und die britische Premierministerin Theresa May in der Erklärung.

Auch Washington schwingt die Sanktionskeule

Als erste Reaktion auf den Anschlag hatte die britische Regierung angeordnet, dass 23 russische Diplomaten das Land binnen einer Woche verlassen müssen.

Neben Großbritannien verhängten heute auch die USA Sanktionen gegen Russland – allerdings aus einem anderen Grund. Wegen der möglichen Einflussnahme auf den Ausgang der US-Präsidentschaftswahl 2016 verkündete Washington Strafmaßnahmen gegen 19 Personen und fünf Organisationen. Unter den Betroffenen sind demnach mehrere Offizielle des russischen Geheimdienstes GRU.

  • 15.03.2018
  • 07:42 Uhr

Nach Giftattacke: Eskaliert der Russland-Streit?

Moskau droht mit Vergeltung, weil Großbritannien 23 russische Diplomaten ausweisen will.

Polizisten am 04. März in einem Park im britischen Salisbury. Hier wurden Sergej Skripal und seine Tochter bewusstlos auf einer Parkbank entdeckt.

Noch immer ist nicht zu hundert Prozent geklärt, wer hinter dem Nervengasangriff auf den russischen Ex-Spion Sergej Skripal und seine Tochter im britischen Salisbury steckt. Doch weil das Gift aus russischen Militärbeständen stammt, ist für die britische Regierung klar, dass Russland in jedem Fall etwas mit dem versuchten Mord zu tun hat. Moskau weist alle Vorwürfe zurück, ließ  ein Ultimatum zur Klärung verstreichen. Jetzt sollen 23 russische Diplomaten Großbritannien verlassen – binnen einer Woche.

Grobe Provokation

London setzt zunächst offenbar ganz auf Ablehnung. Eine Einladung des russischen Außenministers Lawrow ist gecancelt, außerdem sollen Mitglieder des britischen Königshauses nicht zur Fußball-WM im Sommer nach Russland reisen. Konten werden eingefroren, Kontrollen verschärft. Für Moskau eine „beispiellose grobe Provokation“. Der Kreml kündigte an, darauf schon bald hart antworten zu wollen. Es sei nicht akzeptabel, dass Großbritannien solche Sanktionen verhängt, hieß es aus dem russischen Außenministerium.

Streit bei UN-Sitzung

Auch bei einer Versammlung des UN-Sicherheitsrats kam es zum Streit. Erst beschimpften sich die Botschaften von Russland und Großbritannien. Dann mischten sich die USA ein und beschuldigen nun ebenfalls Moskau hinter dem versuchten Giftmord zu stecken.

Der Ex-Doppelagent Sergej Skripal und seine Tochter Yulia waren am 4. März bewusstlos auf einer Parkbank im südenglischen Salisbury entdeckt worden. Sie befinden sich weiter in einem kritischem Zustand. Nach britischen Angaben wurden sie Opfer des chemischen Kampfstoffes Nowitschok.

  • 12.03.2018
  • 22:30 Uhr

Britische Regierung stellt Moskau ein Ultimatum

Ex-Agent soll mit einem Kampfstoff aus der Sowjetunion vergiftet worden sein.

Die britische Regierung macht Russland für das Attentat auf den Ex-Doppelagenten Sergej Skripal verantwortlich und hat Moskau ein Ultimatum gestellt. Skripal und seine Tochter wurden nach Angaben von Premierministerin Theresa May durch einen Nervenkampfstoff vergiftet, der einst in der Sowjetunion produziert worden ist. Moskau soll sich nun bis Dienstagabend gegenüber der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) erklären. Russland wies die Vorwürfe am Montagabend barsch zurück.

Der Ex-Spion(66) und seine Tochter Yulia (33) waren am 4. März bewusstlos auf einer Parkbank in der südenglischen Kleinstadt Salisbury entdeckt worden. Sie befinden sich weiterhin in einem kritischen Zustand. Insgesamt mussten 21 Menschen im Krankenhaus behandelt werden, darunter ist auch ein Polizist.

Spur führt nach Russland, höchstwahrscheinlich

Für das Attentat sei „höchstwahrscheinlich“ Russland verantwortlich, berichtete May im Parlament in London. Eingesetzt wurde demnach ein Nervenkampfstoff aus der Nowitschok-Serie: Die früher in der Sowjetunion produzierte Substanz, die in etwa 100 Varianten vorkommt, zählt zu den gefährlichsten Nervengiften überhaupt.

Russland müsse umgehend zur Aufklärung beitragen. Der russische Botschafter in London sei bereits in das Außenministerium einbestellt worden, sagte May. Es gebe nur zwei mögliche Erklärungen für das Attentat: Entweder habe Moskau den Anschlag direkt ausgeführt oder die russische Regierung habe die Kontrolle über das Nervengift verloren und es sei in andere Hände gelangt, so May weiter.

Moskau spricht von „Zirkus“

Damit dürfte sich das Verhältnis zwischen London und Moskau weiter verschlechtern. Moskau hat jegliche Beteiligung an dem Attentat abgestritten und London antirussische Propaganda vorgeworfen.

Das russische Außenministerium sprach von einer „Zirkusnummer“ im britischen Parlament. „Der Schluss ist klar – es ist eine reguläre informationspolitische Kampagne, basierend auf Provokationen“, wurde Außenamtssprecherin Maria Sacharowa von der Agentur Tass zitiert.

„Unbewiesen und provokant“ nannte Leonid Sluzki, Vorsitzender des Duma-Komitees für internationale Angelegenheiten, die Vorwürfe aus Großbritannien. „Die Position Londons bei der Ermittlung nach der Vergiftung Skripals spiegelt die jüngsten westlichen Trends: keine Beweise, aber für alles ist Russland schuldig.“ Als Grund für das Verhalten Londons wollte Sluzki nach russischen Medienberichten eine mögliche Beeinflussung der Präsidentenwahl nicht ausschließen.

Drohen – womit?

Fraglich ist, welche Sanktionen London möglicherweise in Erwägung zieht. Britische Medien halten zum Beispiel die Ausweisung von Diplomaten und finanzielle Maßnahmen gegen Oligarchen mit Immobilienbesitz in London aus dem Umfeld des russischen Präsidenten Wladimir Putin für denkbar. May hatte bereits damit gedroht, keine Regierungsvertreter zur Fußball-WM im Sommer zu schicken.

  • 11.03.2018
  • 12:00 Uhr

Spuren von Nervengift offenbar auch in Restaurant gefunden

Mehr als 250 Ermittler arbeiten daran, den Giftanschlag auf Sergej Skripal aufzuklären.

Das Restaurant Zizzi, in dem Sergej Skripal und seine Tochter offenbar vergiftet wurden.

In dem Spionage-Thriller um den russischen Doppelagenten Sergej Skripal haben Ermittler nach Informationen der BBC Spuren von Nervengift in dem Restaurant gefunden, in dem sich Skripal und seine 33-jährige Tochter zuletzt aufhielten.

Das Lokal in der südenglischen Kleinstadt Salisbury werde derzeit untersucht, berichtete der Sender. Skripal und seine Tochter Yulia waren nur wenige Stunden nach dem Besuch in dem Restaurant auf einer Parkbank zusammengebrochen.

Die Ermittlungen kommen nach Angaben von Innenministerin Amber Rudd schnell voran. Die Opfer befinden sich nach Angaben Rudds weiterhin in einem kritischen Zustand. Ein ebenfalls verletzter Polizist ist demnach „schwer krank“, aber ansprechbar.

Inenministerin Rudd hatte gestern eine Sitzung des britischen Sicherheitskabinetts geleitet. Ob die Ermittler bereits eine heiße Spur zu den Tätern oder Hintermännern der Tat verfolgten, ist unklar. „Wir müssen der Polizei und den ermittelnden Einheiten um sie herum den Raum geben, voranzukommen“, sagte Rudd. An den Ermittlungen seien mehr als 250 Polizisten der Anti-Terror-Einheit beteiligt. Sie hätten etwa 200 Zeugen identifiziert und 240 Beweismittel sichergestellt, so Rudd weiter.

Auf die Frage nach möglichen Reaktionen Londons, sollte sich herausstellen, dass Russland seine Finger im Spiel hat, wollte sich der Minister nicht einlassen. Es gehe jetzt darum, Beweise zu sichern, damit eine Zuordnung der Tat klar erfolgen könne. Sicherheitsstaatssekretär Ben Wallace hatte zuvor angekündigt, Großbritannien sei bereit, mit „voller Macht“ zu antworten, sobald die Verantwortlichen ausgemacht seien.

  • 10.03.2018
  • 15:54 Uhr

Agenten-Thriller: Militärs und Giftexperten im Einsatz

Kampfmittel-Experten untersuchten das Grab von Sergej Skripals Frau.

Einsatzkräfte in Schutzanzügen stehen auf dem London Road Friedhof nahe dem Gedenkstein von A. Skripal, dem Sohn Sergej Skripals.

Die Aufklärung der Gift-Attacke auf den russischen Doppelagenten Sergej Skripal und seine Tochter gestaltet sich weiter schwierig. Zwar konnten Experten laut Medienberichten zwar mittlerweile den Kampfstoff identifizieren, viele weitere Fragen bleiben aber noch unbeantwortet.

Der Fokus der Ermittler liegt zurzeit auf einem Friedhof in Salisbury, wo die Ehefrau und der Sohne Sergej Skripals begraben liegen sollen. Auf Fotos ist zu sehen, wie Spezialisten in gelben Schutzanzügen Beweismittel sicherten. Die Polizei hatte gestern die Unterstützung von Spezialeinheiten des Militärs angefordert, um die Ermittlungen ausweiten zu können.

Noch immer gibt es nämlich offenbar keinen konkreten Hinweis darauf, wo Skripal und seine 33-jährige Tochter mit dem Nervengift in Kontakt kamen. Britische Medien berichteten unter Berufung auf Ermittlerkreise, die Quelle des Gifts könne sich im Haus Skripals befunden haben. Das Haus Doppelagenten befindet sich auch in unmittelbarer Nähe zu dem besagten Friedhof.

Heute kommt in London das britische Sicherheitskabinett („Cobra“ genannt) zusammen. Mit dabei sind unter anderem Innenminister Amber Rudd und Außenminister Boris Johnson, um sich über den neuesten Stand der Ermittlungen zu informieren.

Der 66-jährige Skripal und seine  Tochter Yulia wurden am vergangenen Wochenende mit Vergiftungserscheinungen in der englischen Kleinstadt Salisbury aufgefunden. Sie wurden der Polizei zufolge Opfer eines Attentats mit Nervengift und befinden sich seitdem in einem kritischem Zustand. Auch ein Polizist wird mit schweren Symptomen behandelt.

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