• 12.07.2018
  • 07:06 Uhr

Amerika distanziert sich von Trump

Sein Angriff auf Kanzlerin Merkel beim NATO-Gipfel kam in den USA nicht gut an.

Donald Trump beim Nato-Gipfel

Donald Trumps Tiraden gegen Deutschland beim ersten Tag des NATO-Gipfels in Brüssel haben scharfe Kritik aus den Amerika hervorgerufen. Beide Kammern distanzierten sich von den Äußerungen des Präsidenten und stellen sich damit hinter Kanzlerin Angela Merkel.

Was war passiert?

Die Einladung von Generalsekretär Stoltenberg zum Frühstück nutzte der US-Präsident für einen Frontalangriff gegen Deutschland: „Ich finde es traurig, dass Deutschland einen riesen Gasdeal mit Russland abschießt, den Russen so Milliardeneinnahmen beschert und wir sollen sie aber auf der anderen Seite beschützen. Deutschland wird total von Russland kontrolliert, Deutschland ist ein Gefangener Russlands.“

Der US-Präsident ärgert sich konkret über den Bau der Gaspipeline Nord Stream 2, die Deutschland durch die Ostsee mit russischem Gas beliefern soll. Die Kanzlerin ließ das nicht auf sich sitzen, mit Blick auf die DDR, die von der Sowjetunion kontrolliert wurde, betont sie: „Ich bin sehr froh, dass wir heute in Freiheit vereint sind als die Bundesrepublik Deutschland und dass wir deshalb auch sagen können, dass wir unsere eigenständige Politik machen und eigenständige Entscheidungen fällen können und das ist sehr gut gerade für die Menschen in den neuen Bundesländern.“

Nach dem Schlagabtausch trafen sich Trump und Merkel zum Einzelgespräch und verbreiteten anschließend Harmonie. Trump nannte die Beziehungen zu Deutschland „hervorragend“und sein Verhältnis zur Kanzlerin sehr, sehr gut. Auch Merkel betonte, der Austausch sei „wichtig, weil wir Partner sind und weiter zusammenarbeiten wollen“, sagte sie. Schon wenig später meldete sich Trump aber auf Twitter wieder mit derselben Kritik an Deutschland und der Forderung, die Verbündeten müssten sofort mindestens zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts für das Militär ausgeben und nicht erst 2025.

Kritik aus Amerika

Der Ton macht die Musik – finden unterdessen die Amerikaner. Und der von Trump lässt zu wünschen übrig: „Präsident Trumps unverschämte Beleidigungen und Verunglimpfungen Deutschlands, eines unserer verlässlichsten Verbündeten, sind eine Peinlichkeit“, erklärten am Mittwoch die Chefs der Demokraten in Repräsentantenhaus und Senat, Nancy Pelosi und Chuck Schumer. Das Verhalten des Präsidenten sei ein weiteres „tief verstörendes Signal“ dafür, dass er gegenüber dem russischen Staatschef Wladimir Putin loyaler sei als gegenüber den Nato-Partnern, merkten die beiden  an.

Auch der Republikaner Bob Corker, Vorsitzender im Auswärtigen Ausschuss des Senats distanziert sich von der Kritik des Präsidenten: „Trumps Rhetorik schadet uns. Das wirkt so, als schlagen wir unseren Freunden auf die Nase und dann strecken wir Leuten die Hand aus, die stark gegen uns arbeiten, wie Russland und Putin.“ Paul Ryan, mächtigster Republikaner im Kongress und Sprecher im Repräsentantenhaus, erklärte: „Die NATO ist unverzichtbar. Sie ist heute wichtiger als je zuvor. Das wollen wir in unserer Resolution zum Ausdruck bringen. Und der Senat hat auch eine verabschiedet.“ Im Senat hatten sich zuvor 97 Senatoren bei nur zwei Gegenstimmen für Amerikas volle Unterstützung der NATO ausgesprochen.

In Brüssel ging es am Abend vergleichsweise versöhnlich weiter: Die Staats- und Regierungschefs segneten wie geplant die Erklärung ab. Darin beschwören die 29 Staaten den Schutz der gemeinsamen Sicherheit, der Freiheit und der Rechtsstaatlichkeit, den Kampf gegen Terrorismus und gegen die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen.

Und das war nur der erste Tag des NATO-Gipfels…

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