• 10.09.2017
  • 09:32 Uhr

Reisewarnung der Türkei „ein schlechter Witz“

Mit einem neuen Rundumschlag heizt die Türkei die Spannungen im deutsch-türkischen Verhältnis weiter an. Deutsche Politiker kritisierten den Schritt.

Die Türkei gilt seit langem als schwieriger Partner Deutschlands.

In einer gestern veröffentlichten „Reisewarnung für die Bundesrepublik Deutschland“ hatte das türkische Außenministerium in Deutschland lebende Türken und türkische Bürger, die dorthin reisen wollen, generell zur „Vorsicht“ ermahnt. Kanzleramts-Chef Peter Altmaier (CDU) ist darüber verärgert:

 

 

Kanzlerin Angela Merkel kritisierte: „Ich will hier ganz deutlich auch sagen: Zu uns kann jeder türkische Staatsbürger reisen. Bei uns wird kein Journalist verhaftet, kein Journalist in Untersuchungshaft gesteckt, bei uns herrscht Meinungsfreiheit und Rechtsstaatlichkeit. Und darauf sind wir stolz“ SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz erklärte: „Die Regierung in Ankara verliert das Maß. Die Beziehungen zwischen der Türkei und der Bundesrepublik Deutschland dürfen sich nicht so entwickeln, wie das offensichtlich systematisch in Ankara vorangetrieben wird.“ Wenn es so weitergehe, müsse man im Klartext sagen: „Deutschland ist kein Land, das jede Demütigung aus der Türkei akzeptieren kann.“

CDU-Generalsekretär Peter Tauber schreibt auf Twitter:

 

 

Und Grünen-Spitzenkandidat Cem Özdemir meint: „Erdogans Verhalten ist eines Präsidenten unwürdig. Er will den Spaltpilz nach Deutschland tragen, das dürfen wir nicht zulassen.“

Ankara: „Türkeifeindlichkeit“ in Deutschland

Bei der „Reisewarnung“ handelt es sich wohl um eine Reaktion der Türkei auf die Bundesregierung, die Mitte Juli einen Kurswechsel vorgenommen und die Reisehinweise für das Land verschärft hatte. Zur Begründung führt das türkische Außenministerium in seiner Erklärung aus, dass die politische Atmosphäre in Deutschland zunehmend von einem „rechtsextremen, gar rassistischen Diskurs“ geprägt sei. So führten die politischen Führer einen Bundestagswahlkampf, der auf „Türkeifeindlichkeit“ und darauf gegründet sei, die EU-Mitgliedschaft der Türkei zu verhindern.

Die schwere Krise in den deutsch-türkischen Beziehungen war unter anderem durch die Inhaftierung einer zunehmenden Zahl von Bundesbürgern in der Türkei ausgelöst worden.

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