• 16.04.2018
  • 17:54 Uhr

Mutiges Outing: Conchita Wurst ist HIV-positiv

Was IHR über den HI-Virus und Aids wissen solltet - alle Infos hier!

Thomas Neuwirth aka Conchita Wurst ist HIV-positiv. Das hat der Travestiekünstler, der 2014 mit „Rise Like A Phoenix“ den ESC gewann,  jetzt in einem Instagram-Post öffentlich gemacht. Eigentlich ist es nichts, das für die Öffentlichkeit von Relevanz sei, schreibt er. Doch offenbar drohte ihm ein Ex-Freund damit, die Infizierung bekannt zu machen. Da übernahm er das kurzerhand lieber selbst, und wirkt erleichtert.

Seit 2014 kennt er seine Diagnose und ist in medizinischer Behandlung. Seine Werte liegen unter der Nachweisgrenze, schreibt er weiter. Daher sei er nicht in der Lage, den Virus weiter zu geben. Trotzdem waren alle Sexualpartner sowie natürlich Freunde und Familie über die Infizierung informiert.

„Ich hoffe, Mut zu machen und einen weiteren Schritt zu setzen gegen die Stigmatisierung von Menschen, die sich durch ihr eigenes Verhalten oder aber unverschuldet mit HIV infiziert haben.“

 

heute ist der tag gekommen, mich für den rest meines lebens von einem damoklesschwert zu befreien: ich bin seit vielen jahren hiv-positiv. das ist für die öffentlichkeit eigentlich irrelevant, aber ein ex-freund droht mir, mit dieser privaten information an die öffentlichkeit zu gehen, und ich gebe auch in zukunft niemandem das recht, mir angst zu machen und mein leben derart zu beeinflussen. seit ich die diagnose erhalten habe, bin ich in medizinischer behandlung, und seit vielen jahren unterbrechungsfrei unter der nachweisgrenze, damit also nicht in der lage, den virus weiter zu geben. ich wollte aus mehreren gründen bisher nicht damit an die öffentlichkeit gehen, nur zwei davon will ich hier nennen: der wichtigste war mir meine familie, die seit dem ersten tag bescheid weiss und mich bedingungslos unterstützt hat. ihnen hätte ich die aufmerksamkeit für den hiv-status ihres sohnes, enkels und bruders gerne erspart. genauso wissen meine freunde seit geraumer zeit bescheid und gehen in einer unbefangenheit damit um, die ich jeder und jedem betroffenen wünschen würde. zweitens ist es eine information, die meiner meinung nach hauptsächlich für diejenigen menschen von relevanz ist, mit denen sexueller kontakt infrage kommt. coming out ist besser als von dritten geoutet zu werden. ich hoffe, mut zu machen und einen weiteren schritt zu setzen gegen die stigmatisierung von menschen, die sich durch ihr eigenes verhalten oder aber unverschuldet mit hiv infiziert haben. an meine fans: die information über meinen hiv-status mag neu für euch sein – mein status ist es nicht! es geht mir gesundheitlich gut, und ich bin stärker, motivierter und befreiter denn je. danke für eure unterstützung!

A post shared by conchita (@conchitawurst) on

 

Deutsche AIDS-Hilfe findet das Outing gut, aber…

Die Deutsche AIDS-Hilfe bewertet das Outing erstmal positiv, allerdings mit Einschränkungen. Schließlich kam es unter Druck zustande.  Und das zeige, dass wir gesellschaftlich noch weit davon entfernt sind, dass man mit HIV ganz selbstverständlich leben kann. Menschen mit HIV erleben immer noch Stigmatisierung und Schuldzuweisungen, schreibt die Organisation in einer Pressemitteilung.  Das Ziel der Deutschen AIDS-Hilfe sei es, ein ganz selbstverständliches Leben mit HIV möglich zu machen. „Niemand sollte Angst haben müssen, dass seine HIV-Infektion bekannt wird. Wir sind sicher: Conchita Wurst wird viel zu diesem Ziel beitragen. Sie verdient dabei jede Unterstützung!“

Wissenswertes zu HIV & AIDS

Anders als oft berichtet, sind die Infektionszahlen in Deutschland seit 2006 stabil. Bei Homosexuellen gehen die Zahlen seit Jahren leicht zurück. 2016 infizierten sich rund 3.100 Menschen mit HIV.

HIV ist nicht Aids. Wird die HIV-Infektion gut behandelt, kommt es nicht mehr zu Aids. Wer rechtzeitig mit einer Behandlung beginnt, hat heute ein fast normale Lebenserwartung und kann ein weitgehend normales Leben führen – Arbeit, Sexualität, Familie inklusive.

1.100 Menschen erfuhren 2016 erst von ihrer HIV-Infektion, als sie bereits Aids oder einen schweren Immundefekt hatten. Obwohl Aids längst vermeidbar ist. 12.700 Menschen leben unwissentlich mit HIV.

Was passiert bei einer HIV-Infektion im Körper?

Das Immundefekt-Virus HIV befällt in erster Linie wichtige Zellen des körpereigenen Abwehrsystems, die T-Helferzellen und die Fresszellen. Zudem können Nervenzellen betroffen sein. Die Viren dringen in die Zellen ein, nutzen deren Stoffwechsel, um sich zu vermehren, und zerstören dabei die Wirtszelle. Die neu gebildeten Viren gelangen ins Blut und befallen weitere Zellen, die Infektion breitet sich immer stärker im Körper aus. Erst dann spricht man von AIDS.

Wie wird HIV behandelt?

Vollständig geheilt werden kann eine HIV-Infektion bislang nicht, doch  können HIV-Positive mit dem Virus heute fast ganz normal leben. AIDS bricht – gerade in der westlichen Welt – heute kaum noch aus. Antiretrovirale Medikamente unterbrechen den Lebenszyklus der Viren und stoppen so ihre Vermehrung. Je nach Angriffspunkt werden sie in verschiedene Wirkstoffgruppen eingeteilt. Einige beeinflussen den Stoffwechsel in von HIV befallenen Zellen und verhindern, dass dort neue Viren produziert werden. Andere verhindern bereits den Eintritt des Virus in die Zelle oder aber den Einbau der Virus-Erbinformationen in die Wirtszelle.  Durch die Behandlung mit diesen Medikamenten gelingt es in vielen Fällen, die Viruslast unter die Nachweisgrenze zu senken.

Welche Einschränkungen hat ein HIV-Infizierter?

Um die Vermehrung der Viren zu vermeiden, ist die tägliche Einnahme von Medikamenten notwendig. Die sind in der Regel gut verträglich, doch können – wie bei jedem Medikament – Nebenwirkungen auftreten. Zwar ist eine Infizierter, dessen Viruslast unter die Nachweisgrenze gesunken ist, nicht ansteckend, trotzdem sollte er seinen Sexualpartner über die Situation aufklären. Es gibt jedoch keine 100%-ige Sicherheit, daher ist Sex mit Kondom immer ratsam. Weitere Einschränkungen gibt es nicht. Frauen können zu Beispiel ohne größeres Risiko Kinder bekommen.

Kann man HIV vorbeugen?

Es gibt keine Impfung gegen das Virus. Daher ist der einzige Schutz vor einer Ansteckung Safer Sex. Wer also wechselnde Geschlechtspartner hat oder seinen Freund oder seine Freundin noch nicht lange kennt, hat Sex besser nur mit Kondom.

Was spricht für einen Aids-Test?

Vor allem die Gewissheit angesichts einer befürchteten Ansteckung. In Beziehungen kann ein AIDS-Test auch Sicherheit bringen und Kondome zum Schutz vor einer Infektion überflüssig machen. Bei einer möglichen Risikosituation sollte man allerdings mindestens sechs Wochen mit einem Labortest warten, wenn man sicher sein will, dass man nicht infiziert ist. Denn bis man Antigen und/oder Antikörper im Blut nachweisen kann, können einige Wochen vergehen. Das Ergebnis bekommt man dann normalerweise nach zwei bis fünf Tagen. Fällt es positiv aus, wird danach ein Bestätigungstest mit einem anderen Verfahren durchgeführt. Angeboten wird der Test von Ärzten, Gesundheitsämtern, Aidshilfen oder Präventionsprojekten. Allerdings wird ein Test beim Arzt (nicht das Ergebnis!) bei der Krankenkasse aktenkundig. Dies kann Auswirkungen bei Versicherungsabschlüssen haben. Hiervor schützt ein anonymer Test.

Was ist ein Heimtest aus dem Internet?

Ein HIV-Test zur Selbstanwendung, der ohne ärztliche Unterstützung durchgeführt werden kann. Er darf in Deutschland – anders als in Frankreich, Belgien oder anderen EU-Ländern – allerdings nicht an Privatpersonen verkauft werden. Denn es besteht eine hohe Fehlerquote in der Anwendung.

 

Die wichtigsten Botschaften der Deutschen AIDS-Hilfe zusammengefasst:

  • Mit HIV kann man heute bei rechtzeitiger Diagnose und Behandlung lange und gut leben.
  • Unter einer gut wirksamen Therapie ist HIV auch beim Sex nicht mehr übertragbar.
  • Es gibt keinen Grund, vor Menschen mit HIV Angst zu haben. Diskriminierung schadet allen Menschen: Sie macht krank und kann vom HIV-Test abschrecken.

© 2018 RTL II News | Alle Rechte vorbehalten.

Cookies erleichtern unter anderem die Bereitstellung unserer Dienste und helfen uns bei der Ausspielung von redaktionellen und werblichen Inhalten sowie der Analyse des Nutzerverhaltens. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Mehr Infos zum Datenschutz

The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

Close