• 07.07.2018
  • 09:31 Uhr

Gutes Gewissen trotz Pelz?

Pelz tragen und Tierleid verhindern, geht das zusammen? Ja, sagen die Initiatoren eines bundesweiten Projekts. Auf keinen Fall, sind Tierschützer überzeugt.

Im Verkaufsraum der Abbalgstation "Fellwechse" hängen Bälge von verschiedenem Raubwild.

Um Fell und Pelz geht es bei „Fellwechsel„, einem Projekt zur Nutzung von Fell aus heimischer Jagd. Jäger aus ganz Deutschland geben dafür seit Monaten erlegte Tiere in mehr als 260 Abgabestellen bundesweit gegen ein Entgelt ab. Von dort kommen die Kadaver von Stein- und Baummardern, Füchsen, Waschbären, Bisams und Nutrias tiefgefroren in eine Abbalgstation in Rastatt.

Die Felle sollen von dort aus an deutsche Gerber und Kürschner geliefert werden, die daraus Kissen, Kragen, Jacken mit Fellfutter oder Taschen fertigen. „Es ist ein Alleinstellungsmerkmal“, sagt Torsten Reinwald vom Deutschen Jagdverband, der das Projekt mit initiiert hat. „Fell aus heimischer Jagd wird bei uns verarbeitet – kein Fell aus Massentierhaltung, kein Tier aus Qualhaltung.“ Bisher landete das Fell erlegter Tiere meist im Müll.

„Bislang wurden nur etwa zehn Prozent der Felle von Tieren aus der Jagd nachhaltig genutzt“, so Reinwald. „Diesen Anteil wollten wir deutlich steigern.“ Käufer von Pelzprodukten sollen dank „Fellwechsel“ ein gutes oder zumindest besseres Gefühl haben als beim Erwerb von Billigpelzen.

Tierschützer haben wenig Verständnis

Der Deutsche Tierschutzbund steht dem Vorhaben ablehnend gegenüber, sagt Sprecherin Lea Schmitz. Die Jagd an sich füge Tieren schon unnötiges Leid zu. Zudem seien sogenannte Ökopelze „letztlich nur ein Etikettenschwindel auf Kosten der Tiere“. Denn auch für diese Pelze müssten Tiere sterben. Außerdem würden etwa beim Gerben keinesfalls nur natürliche Stoffe eingesetzt. Immerhin stammen in deutschen Wäldern erlegte Tiere aus freier Wildbahn und nicht aus Pelzfarmen in Ländern wie China oder Polen.

Könnte „Fellwechsel“ nicht helfen, den Verbrauch mit großem Tierleid erkaufter Pelze zu verringern? Der Deutsche Tierschutzbund bezweifelt das. Die meisten Kunden griffen weiter zu den günstigen Jacken mit Echtfellkragen oder Mützen mit Echtfellbommeln aus China und nicht zur teureren Jacke mit echtem Fuchsfell aus heimischen Gefilden, ist Sprecherin Schmitz überzeugt.

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