• 25.04.2018
  • 14:54 Uhr

Das Aus für den ECHO!

Der umstrittene Musikpreis wird ab sofort nicht mehr verliehen.

Die Kritik der letzten Wochen – nach dem ECHO für Kollegah und Farid Bang und ihr Album „Jung Brutal Gutaussehend 3“ – zeigt nun final Wirkung.

Nachdem Künstler wie Marius Müller-Westernhagen ihre Trophäen aus den letzten Jahren aus Protest zurückgaben – hat der Vorstand des Bundesverbandes Musikindustrie daraus die Konsequenzen gezogen. Den ECHO wird es so nicht mehr geben.

Tschüss ECHO!

Er sei viele Jahre ein großartiger Preis und zugleich zentrales Branchenevent mit vielen bewegenden Momenten und herausragenden Künstlerinnen und Künstlern gewesen, heißt es weiter.

Auch stehe für den Vorstand außer Frage, dass Deutschland als drittgrößter Musikmarkt der Welt zur genre- und generationsübergreifenden Auszeichnung von Künstlerinnen und Künstlern weiterhin Musikpreise mit Leuchtturm-Charakter brauche.

Man wolle jedoch keinesfalls, dass dieser Musikpreis als Plattform für Antisemitismus, Frauenverachtung, Homophobie oder Gewaltverharmlosung wahrgenommen wird.

Dieses Kind ist 2017 in den Brunnen gefallen, nun gilt es, dergleichen für die Zukunft zu vermeiden.

Pläne zur Umstrukturierung

Auch die bisher involvierten Gremien werden ihre Tätigkeit einstellen. Die Kriterien der Nominierung und Preisvergabe werden dabei vollständig verändert. Wie beim ECHO KLASSIK und ECHO JAZZ, die von Anfang an reine Jury-Preise waren, soll beim neuen Musikpreis auch für den Pop-Bereich die Jury stärker in den Vordergrund rücken. Bislang waren vor allem die Verkaufszahlen ausschlaggebend.

Strafanzeige gegen Kollegah und Farid Bang

Kollegah und Farid Bang wird im Zusammenhang mit ihrem Album „JBG3“ Gewaltverherrlichung, Frauenfeindlichkeit und auch Antisemitismus vorgeworfen.

Ein Mann aus Hamburg hat nun angeblich bei der Polizei Gütersloh Strafanzeige gegen die Musiker und den Vorstandschef der Bertelsmann-Tochter BMG, Hartwig Masuch, gestellt. Das berichtet das Bielefelder „Westfalenblatt“. Der Staatsschutz in Bielefeld prüfe nun die am Bertelsmann-Konzernsitz gestellte Anzeige.  Polizei und Staatsanwaltschaft in Berlin erklärten gegenüber der Zeitung, dass dort keine Anzeigen gegen Masuch oder die Rapper vorlägen.

Bislang hieß es außerdem, Sony BMG ließe die Zusammenarbeit mit Kollegah und Farid Bang vorerst ruhen. Laut „Westfalenblatt“ soll das Label diese nun aber komplett aufgekündigt haben.

Zugleich betonte die Plattenfirma dem Bericht zufolge, sie halte alle geäußerten Vorwürfe gegen Masuch für unbegründet, und: „Bertelsmann distanziert sich von jeder Form von Antisemitismus und Diskriminierung.“

 

  • 18.04.2018
  • 10:38 Uhr

Immer mehr Echo-Proteste

Verantwortliche kündigen an, den Musikpreis zu überarbeiten.

Die Kritiker sind lauter als die Verteidiger von Kollegah und Farid Bang.

Die Kritik am Musikpreis Echo wird auch eine knappe Woche nach der umstrittenen Verleihung nicht leiser. Am vergangenen Donnerstag hatte das Rap-Duo Farid Bang und Kollegah einen Echo verliehen bekommen – trotz Textzeilen wie „Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen“ und „Mache wieder mal ’nen Holocaust, komm‘ an mit dem Molotow“. Nach Antisemitismus-Vorwürfen aus allen Ecken gaben diverse Musiker ihre Echos zurück.

Jetzt schaltete sich auch Kulturministerin Monika Grütters (CDU) ein: „Dass Songs mit Texten, die menschenverachtende und herabwürdigende Passagen enthalten, von der Musikindustrie ausgezeichnet werden, offenbart die Fragwürdigkeit eines Preises, der nur auf Erfolg an der Kasse setzt“, sagte sie  in der „Bild“. Außerdem spricht Grütters vom „Versagen“ des Ethikrates. Der hatte kurz vor der Veranstaltung entschieden, dass die künstlerische Freiheit in den Texten „nicht so wesentlich überschritten“ sei, dass ein Ausschluss der Künstler vom Echo gerechtfertigt wäre.

Was ist die Konsequenz aus all der Kritik?

„Der Echo muss insgesamt neu aufgesetzt werden. Offensichtlich sind die Kriterien dieser Preisverleihung nicht geeignet, um antisemitische, fremdenfeindliche und menschenverachtende Werke auszuschließen“, fordert SPD-Politiker Martin Rabanus auf „t-online.de“.

Und auch Marius Müller-Westernhagen, der seine sieben Echos – unter anderem den für sein Lebenswerk – zurückgibt, wird in seinem Facebook-Post zum Echo deutlich: „Eine Industrie, die ohne moralische und ethische Bedenken Menschen mit rassistischen, sexistischen und gewaltverherrlichenden Positionen nicht nur toleriert, sondern unter Vertrag nimmt und auch noch auszeichnet, ist skrupellos und korrupt“. Und Westernhagen ist nur der Prominenteste in einer Reihe von Künstlern, die ihre Preise zurückgeben.

 

Money makes the world go round. Mit großem Interesse habe ich von Südafrika aus die peinlichen Vorkommnisse bei der…

Gepostet von Westernhagen am Dienstag, 17. April 2018

 

Peter Maffay forderte die Echo-Verantwortlichen zum Rücktritt auf. Der Bundesverband Musikindustrie kündigte wegen der vielen Proteste an, das Konzept des Echos zu überarbeiten.

Auch wenn im Rap nicht jedes Wort auf die Goldwaage gelegt werden darf, müssen die Echo-Verantwortlichen jetzt handeln. Denn fest steht: Eine Veränderung braucht der Musikpreis in jedem Fall, das ist nicht zu überhören.

  • 13.04.2018
  • 15:57 Uhr

Krawall-Echo: Der große Rapper-Krach

Und was war sonst so los?

Kollegah und Farid Bank werden kritisiert und ledern zurück.

Beginnen wir mit etwas Schönem. Der große Gewinner des Abends in Berlin war der Brite Ed Sheeran. Er wurde in den Kategorien Album des Jahres, Hit des Jahres und bester internationaler Künstler geehrt. Entgegennehmen konnte Sheeran die Preise aber nicht. Der 27-Jährige bedankte sich per Videobotschaft aus dem fernen Japan.

Ach, und Helene Fischer hat auch wieder gewonnen. Sie räumte in der Kategorie Schlager ab. Mit ihren inzwischen 17 Echos ist sie die Rekordhalterin in diesem Award-Format. Mit den Worten: „Ich genieße diesen Erfolg gerade unfassbar„, bedankte sich die 33-Jährige.

Alt-Punk gegen Mucki-Rapper

Für die größte Aufregung sorgte wie erwartet die Auszeichnung in der Kategorie Hip-Hop/Urban National. Die ging an die berüchtigte Rap-Kollaboration Kollegah und Farid Bang. Die Debatte über ihre vermeintlich antisemitischen Texte hatte die Stimmung schon ordentlich aufgeheizt. Dass man Rap auf keinen Fall wörtlich nehmen darf und drastisches Prahlen unausrottbar dazugehört, dringt bei vielen in Deutschland einfach nicht durch.

Bei Alt-Punk Campino erst recht nicht. Bei Antisemitismus und Frauenfeindlichkeit sei eine Grenze überschritten, predigte der Frontmann der Toten Hosen im Ton eines Sozialkundelehrers. Die Band hatte zuvor den Preis als bester nationaler Rock-Act gewonnen.

Kollegah konterte, als er seinen Preis entgegennahm: „Ich will hier keine Politikdebatte daraus machen.“ Aber: Campino habe sich als moralische Instanz aufgespielt, das gebühre einem so großen Musiker nicht. Seine Worte gingen in Buh-Rufen und Pfiffen aus dem Publikum unter.

Und sonst so?

Das waren die weiteren Gewinner:

  • Mark Forster – Künstler Pop national
  • Alice Merton – Künstlerin Pop national
  • Milky Chance – Band Pop national
  • Haiyti – Kritikerpreis
  • Wincent Weiss – nationaler Newcomer
  • Luis Fonsi – internationaler Newcomer
  • Robin Schulz – Dance national

 

 

Zwischendurch sorgten unter anderem die Popstars Kylie Minogue, Rita Ora, Shawn Mendes und Jason Derulo für musikalische Unterhaltung. Zwei eher schräge Auftritte legte Fischer hin. Zuerst performte sie ihr Lied „Lieb mich dann“ mit dem Jazzmusiker Götz Alsmann und dem Gitarristen Gregor Meyle. Später sang sie gemeinsam mit Luis Fonsi.

Die Nominierungen für den Echo ergeben sich aus den Verkaufszahlen der Musiker: Die fünf erfolgreichsten Künstler kommen auf die Liste. Eine 550-köpfige Jury entscheidet, wer gewinnt. Zu den Juroren gehören Journalisten, Händler, Produzenten, ehemalige Preisträger und Nominierte sowie Label-Vertreter.

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