• 20.05.2018
  • 09:24 Uhr

Nach Shitstorm: Özil und Gündogan treffen Bundespräsidenten

Die Nationalspieler wollten so Missverständnisse aus dem Weg räumen.

Bundespräsident Steinmeier postete ein gemeinsames Bild des Treffens auf Facebook.

Kurz vor dem DFB-Pokalfinale gestern in Berlin reisten die Nationalspieler Özil und Gündogan mit einem besonderen Anliegen nach Berlin. Knapp eine Woche nach ihrem umstrittenen Treffen mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan trafen sich Ilkay Gündogan und Mesut Özil mit der Spitze des Deutschen Fußball-Bundes (DFB).

DFB-Präsident Reinhard Grindel postete nach dem Treffen: „Beide haben uns gegenüber versichert, dass sie mit dieser Aktion kein politisches Signal senden wollten. Beide Spieler haben uns vermittelt, dass sie auf und neben dem Platz für unsere Werte stehen und sich damit identifizieren.“ 

Auch Bundestrainer Joachim Löw und Nationalelf-Manager Oliver Bierhoff waren bei den Gesprächen dabei.

 

 

Nach dem Treffen ging’s weiter zu Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Auch er postete anschließend ein Bild des Treffens auf Facebook.

„Beiden war es wichtig, entstandene Missverständnisse aus dem Weg zu räumen. Wir haben lange gesprochen, über Sport, aber auch über Politik. Der deutsche Fußball hat beide Spieler groß gemacht. Ihre Geschichte spiegelt wider, was ich in meiner Rede zum Tag der Deutschen Einheit gesagt habe: Heimat gibt es auch im Plural.“

Özil und Gündogan hatten Erdogan bei einem Termin in London am vergangenen Sonntag Trikots ihrer Vereine (FC Arsenal und Manchester City) überreicht. Gündogan signierte sein Trikot außerdem mit den Worten: „Hochachtungsvoll, für meinen Präsidenten“. Die im Netz veröffentlichten Bilder verursachten einen riesigen Shitstorm.

Jetzt wollten sich die beiden Mittelfeld-Spieler und die DFB-Spitze aber vor allem wieder auf eins konzentrieren: einfach nur Fußball.

 

Ilkay Gündogan und Mesut Özil haben den Wunsch geäußert, mich zu besuchen. Beiden war es wichtig, entstandene…

Gepostet von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am Samstag, 19. Mai 2018

 

  • 15.05.2018
  • 20:18 Uhr

Trotz Erdogan-Fotos: Özil und Gündogan zur WM

Der Ärger war groß, doch die Folgen für Mesut Özil und Ilkay Gündogon sind klein: Beide Nationalspieler stehen im vorläufigen Kader für die Fußball-WM im Juni und Juli in Russland – trotz ihrer Fotos mit dem türkischen Präsidenten Erdogan. Das hat Bundestrainer Jogi Löw am Dienstag bei der Kader-Präsentation in Dortmund bekanntgegeben. Er sparte aber nicht mit Kritik an den beiden: „Wir als Verband haben den beiden Spielern schon auch zu verstehen gegeben, dass das jetzt keine glückliche Aktion war.“ Trotzdem zeigte Löw auch Verständnis dafür, dass bei Spielern mit Migrationshintergrund zwei Herzen in einer Brust schlügen.

Özil und Gündogan hatten sich am Sonntag in einem Hotel in London mit Erdogan getroffen und mit ihm für Fotos posiert. Es gab Kritik von allen Parteien in Deutschland sowie der Organisation Reporter ohne Grenzen, denn Erdogan hat in den letzten Jahren viele Kritiker, Regierungsgegner und Journalisten einsperren lassen.

  • 15.05.2018
  • 09:18 Uhr

Foto mit Erdogan: Kritik an Özil und Gündogan

Kurz vor der WM-Nominierung haben sich die Nationalspieler durch einen Auftritt mit dem türkischen Präsidenten mächtig Ärger eingehandelt.

Fußballspieler Ilkay Gündogan, Mesut Özil und Cenk Tosun posen für ein Foto mit Präsident Erdogan.

Oh, oh… das war wohl keine so gute Idee! Fotos der deutschen Fußball-Nationalspieler mit dem Politiker in einem Hotel in London sorgten am Montag für Wirbel.

 

Fußballprofi Mesut Özil überreichte dem türkischen Präsidenten ein Trikot seines Clubs FC Arsenal.

 

Auf dem Trikot, das Gündogan an Erdogan überreichte, steht handschriftlich über der Signatur auf Türkisch: „Für meinen verehrten Präsidenten – hochachtungsvoll“.

 

DFB-Chef Reinhard Grindel reagierte mit harscher Kritik. Beide hätten sich für ein Wahlkampfmanöver „missbrauchen lassen“.

 

 

„Der DFB respektiert und achtet selbstverständlich die besondere Situation unserer Spieler mit Migrationshintergrund“, teilte DFB-Präsident Grindel via Twitter mit. „Aber der Fußball und der DFB stehen für Werte, die von Herrn Erdogan nicht hinreichend beachtet werden“.

 

 

DFB-Teammanager Bierhoff sagte: „Die beiden waren sich der Symbolik und Bedeutung dieses Fotos nicht bewusst, aber natürlich heißen wir die Aktion nicht gut und besprechen das mit den Spielern.“ Er betonte auch: „Ich habe nach wie vor überhaupt keine Zweifel an Mesuts und Ilkays klarem Bekenntnis, für die deutsche Nationalmannschaft spielen zu wollen und sich mit unseren Werten zu identifizieren.“

Gündogan zufolge sollte mit dem Auftritt keine politische Botschaft verbunden gewesen sein. „Es war nicht unsere Absicht, mit diesem Bild ein politisches Statement abzugeben, geschweige denn Wahlkampf zu machen“, teilte er mit. „Als deutsche Nationalspieler bekennen wir uns zu den Werten des DFB und sind uns unserer Verantwortung bewusst“, erklärte Gündogan weiter. „Fußball ist unser Leben und nicht die Politik.“

Özil sendete zudem einen Tweet, der ihn offenbar bei dem Treffen mit Gündogan und dem ebenfalls türkischstämmigen Cenk Tosun vom FC Everton zeigt und schrieb auf englisch „in guter Gesellschaft heute Abend“.

 

 

Man habe den Präsidenten auf einer Veranstaltung einer türkischen Stiftung getroffen. „Aus Rücksicht vor den derzeit schwierigen Beziehungen unserer beiden Länder haben wir darüber nicht über unsere sozialen Kanäle gepostet“, betonte Gündogan. „Aber sollten wir uns gegenüber dem Präsidenten des Heimatlandes unserer Familien unhöflich verhalten? Bei aller berechtigten Kritik haben wir uns aus Respekt vor dem Amt des Präsidenten und unseren türkischen Wurzeln – auch als deutsche Staatsbürger – für die Geste der Höflichkeit entschieden.“

Kritik von deutschen Politikern

Von deutschen Politikern erhielten die beiden Spieler viel Kritik. Der Parlamentarische Geschäftsführer der CSU im Bundestag, Stefan Müller, zeigte sich „sehr“ irritiert. „Spieler unserer Nationalmannschaft sollten sich genau überlegen, ob sie sich wirklich von einem Autokraten so im Wahlkampf instrumentalisieren lassen wollen“, schrieb er.

 

 

Die AfD-Politikerin Alice Weidel findet, Özil und Gündogan sollten nicht zum deutschen Kader für die Fußball-WM gehören. Die Vorsitzende der Bundestagsfraktion schrieb auf Facebook: „Gündogan & Özil zuhause lassen!“

 

 

„Das, was die zwei da vorgelegt haben, spottet jeder Beschreibung, das geht gar nicht“, meinte der Grünen-Politiker Cem Özdemir. „Ich erwarte von den beiden, dass sie sich jetzt klar äußern, sich distanzieren.“ Sie hätten sich „hergegeben für eine billige Propagandashow für einen Despoten, für einen autoritären Herrscher“.

Die stellvertretende Linksfraktionschefin Sevim Dagdelen warf den beiden vor: „Im Londoner Luxushotel mit dem Despoten Erdogan zu posieren und ihn auch noch als „meinen Präsidenten“ zu hofieren, während in der Türkei Demokraten verfolgt und kritische Journalisten inhaftiert werden, ist ein grobes Foul“, sagte sie.

 

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