• 11.06.2018
  • 09:38 Uhr

„Wir brauchen die jetzt alle, damit wir gut abschneiden“

Kanzlerin Merkel nimmt Özil und Gündogan in Schutz.

Bundeskanzlerin Angela Merkel zu Gast in der ARD-Sendung "Anne Will".

Kanzlerin Angela Merkel hat sich für die wegen ihrer Erdogan-Fotos in die Kritik geratenen Fußball-Nationalspieler Mesut Özil und Ilkay Gündogan eingesetzt.

„Ich glaube, die beiden Spieler haben nicht bedacht, was das Foto auslöst mit dem Präsidenten Erdogan“, sagte Merkel am Sonntagabend bei Anne Will in der ARD. Sie sei überzeugt, dass beide die deutschen Fans in keiner Weise enttäuschen wollten. Sie habe es sehr berührend empfunden, das Gündogan trotzdem gesagt habe, er spiele gerne für Deutschland und sei gerne Mitglied der Nationalmannschaft.

Die Kanzlerin ergänzte: „Ich finde, wir brauchen die jetzt alle, damit wir gut abschneiden.“ Gündogan und Özil gehörten zur Nationalmannschaft, „und deshalb würde ich mich freuen, wenn mancher Fan auch klatschen könnte“.

Auf die Frage, ob sie trotz ihrer Kritik am russischen Präsidenten Wladimir Putin zu Spielen der deutschen Mannschaft reisen werde, sagte Merkel, dies könne gut sein. Solche Reisen verstießen nicht gegen ihre Prinzipien. Sie müsse ihre Entscheidung aber an die sonstigen Verpflichtungen anpassen.

Die Fußball-Weltmeisterschaft sei an Russland vergeben worden, sie wünsche dem deutschen Team alles Gute. Falls sie nach Russland fahre, könne sie dies vielleicht sogar zu politischen Gesprächen nutzen – ohne Sprechen werde man in Konflikten überhaupt keine Lösung finden.

 

Fußballspieler Ilkay Gündogan, Mesut Özil und Cenk Tosun posen für ein Foto mit Präsident Erdogan.

 

Özil und Gündogan hatten mit gemeinsamen Fotos mit dem umstrittenen türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan für Wirbel gesorgt, der auch die WM-Vorbereitung der DFB-Auswahl überschattete.

Gündogan hatte sich zuletzt erklärt und ein öffentliches Bekenntnis zu seinem Geburtsland Deutschland abgelegt. Von Özil gibt es dagegen noch keine Stellungnahme.

  • 09.06.2018
  • 17:47 Uhr

Nach Pfeifkonzert gegen Gündogan: Jetzt reagiert die Mannschaft

Doch die Nationalelf steht hinter dem 27-Jährigen.

Es war das letzte Spiel vor der Weltmeisterschaft in Russland. Gestern Abend spielte die Deutsche Nationalelf gegen Saudi Arabien (Endstand 2:1). Für Ilkay Gündogan dürfte das Spiel jedoch besonders bitter gewesen sein.

Bei jedem Ballkontakt gab es reihenweise Pfiffe von den Zuschauertribünen. Eine Reaktion auf das umstrittene Treffen mit Türkeis Präsident Erdogan vor vier Wochen. Damals hatten Gündogan und Mesut Özil dem türkischen Präsidenten Trikos überreicht und gemeinsam Fotos gemacht.

Mesut Özil blieb von den Pfeifkonzerten gestern verschont. Er kam wegen einer Knieprellung nicht zum Einsatz.

Dafür bezog der Rest des Nationalteams gestern noch Stellung.

 „Ab jetzt bitte ich die Leute einfach darum, daran zu denken, dass wir Weltmeister werden wollen. Dafür brauchen wir den Illy, dafür brauchen wir den Mesut“, sagte Nationalstürmer Mario Gomez nach WM-Testspiel.

Auch Bundestrainer Jogi Löw hat kein Verständnis für das Verhalten der Fans.  „Ich kann es schwer nachvollziehen. Ílkay hat sich jetzt mehrfach den Medien, der Öffentlichkeit gestellt und gesprochen. Er hat gesagt, dass er sich absolut mit den Werten von Deutschland und den Werten, wie wir hier leben, identifiziert, dass er keine politische Botschaft senden wollte. Ich denke, wenn ein Spieler das mehrfach sagt, dann ist irgendwann auch mal Schluss.“

Gündogan selbst postete heute folgenden Tweet. „Immer noch dankbar, für dieses Land zu spielen“, schreibt er.

 

 

  • 20.05.2018
  • 09:24 Uhr

Nach Shitstorm: Özil und Gündogan treffen Bundespräsidenten

Die Nationalspieler wollten so Missverständnisse aus dem Weg räumen.

Bundespräsident Steinmeier postete ein gemeinsames Bild des Treffens auf Facebook.

Kurz vor dem DFB-Pokalfinale gestern in Berlin reisten die Nationalspieler Özil und Gündogan mit einem besonderen Anliegen nach Berlin. Knapp eine Woche nach ihrem umstrittenen Treffen mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan trafen sich Ilkay Gündogan und Mesut Özil mit der Spitze des Deutschen Fußball-Bundes (DFB).

DFB-Präsident Reinhard Grindel postete nach dem Treffen: „Beide haben uns gegenüber versichert, dass sie mit dieser Aktion kein politisches Signal senden wollten. Beide Spieler haben uns vermittelt, dass sie auf und neben dem Platz für unsere Werte stehen und sich damit identifizieren.“ 

Auch Bundestrainer Joachim Löw und Nationalelf-Manager Oliver Bierhoff waren bei den Gesprächen dabei.

 

 

Nach dem Treffen ging’s weiter zu Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Auch er postete anschließend ein Bild des Treffens auf Facebook.

„Beiden war es wichtig, entstandene Missverständnisse aus dem Weg zu räumen. Wir haben lange gesprochen, über Sport, aber auch über Politik. Der deutsche Fußball hat beide Spieler groß gemacht. Ihre Geschichte spiegelt wider, was ich in meiner Rede zum Tag der Deutschen Einheit gesagt habe: Heimat gibt es auch im Plural.“

Özil und Gündogan hatten Erdogan bei einem Termin in London am vergangenen Sonntag Trikots ihrer Vereine (FC Arsenal und Manchester City) überreicht. Gündogan signierte sein Trikot außerdem mit den Worten: „Hochachtungsvoll, für meinen Präsidenten“. Die im Netz veröffentlichten Bilder verursachten einen riesigen Shitstorm.

Jetzt wollten sich die beiden Mittelfeld-Spieler und die DFB-Spitze aber vor allem wieder auf eins konzentrieren: einfach nur Fußball.

 

Ilkay Gündogan und Mesut Özil haben den Wunsch geäußert, mich zu besuchen. Beiden war es wichtig, entstandene…

Gepostet von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am Samstag, 19. Mai 2018

 

  • 15.05.2018
  • 09:18 Uhr

Foto mit Erdogan: Kritik an Özil und Gündogan

Kurz vor der WM-Nominierung haben sich die Nationalspieler durch einen Auftritt mit dem türkischen Präsidenten mächtig Ärger eingehandelt.

Fußballspieler Ilkay Gündogan, Mesut Özil und Cenk Tosun posen für ein Foto mit Präsident Erdogan.

Oh, oh… das war wohl keine so gute Idee! Fotos der deutschen Fußball-Nationalspieler mit dem Politiker in einem Hotel in London sorgten am Montag für Wirbel.

 

Fußballprofi Mesut Özil überreichte dem türkischen Präsidenten ein Trikot seines Clubs FC Arsenal.

 

Auf dem Trikot, das Gündogan an Erdogan überreichte, steht handschriftlich über der Signatur auf Türkisch: „Für meinen verehrten Präsidenten – hochachtungsvoll“.

 

DFB-Chef Reinhard Grindel reagierte mit harscher Kritik. Beide hätten sich für ein Wahlkampfmanöver „missbrauchen lassen“.

 

 

„Der DFB respektiert und achtet selbstverständlich die besondere Situation unserer Spieler mit Migrationshintergrund“, teilte DFB-Präsident Grindel via Twitter mit. „Aber der Fußball und der DFB stehen für Werte, die von Herrn Erdogan nicht hinreichend beachtet werden“.

 

 

DFB-Teammanager Bierhoff sagte: „Die beiden waren sich der Symbolik und Bedeutung dieses Fotos nicht bewusst, aber natürlich heißen wir die Aktion nicht gut und besprechen das mit den Spielern.“ Er betonte auch: „Ich habe nach wie vor überhaupt keine Zweifel an Mesuts und Ilkays klarem Bekenntnis, für die deutsche Nationalmannschaft spielen zu wollen und sich mit unseren Werten zu identifizieren.“

Gündogan zufolge sollte mit dem Auftritt keine politische Botschaft verbunden gewesen sein. „Es war nicht unsere Absicht, mit diesem Bild ein politisches Statement abzugeben, geschweige denn Wahlkampf zu machen“, teilte er mit. „Als deutsche Nationalspieler bekennen wir uns zu den Werten des DFB und sind uns unserer Verantwortung bewusst“, erklärte Gündogan weiter. „Fußball ist unser Leben und nicht die Politik.“

Özil sendete zudem einen Tweet, der ihn offenbar bei dem Treffen mit Gündogan und dem ebenfalls türkischstämmigen Cenk Tosun vom FC Everton zeigt und schrieb auf englisch „in guter Gesellschaft heute Abend“.

 

 

Man habe den Präsidenten auf einer Veranstaltung einer türkischen Stiftung getroffen. „Aus Rücksicht vor den derzeit schwierigen Beziehungen unserer beiden Länder haben wir darüber nicht über unsere sozialen Kanäle gepostet“, betonte Gündogan. „Aber sollten wir uns gegenüber dem Präsidenten des Heimatlandes unserer Familien unhöflich verhalten? Bei aller berechtigten Kritik haben wir uns aus Respekt vor dem Amt des Präsidenten und unseren türkischen Wurzeln – auch als deutsche Staatsbürger – für die Geste der Höflichkeit entschieden.“

Kritik von deutschen Politikern

Von deutschen Politikern erhielten die beiden Spieler viel Kritik. Der Parlamentarische Geschäftsführer der CSU im Bundestag, Stefan Müller, zeigte sich „sehr“ irritiert. „Spieler unserer Nationalmannschaft sollten sich genau überlegen, ob sie sich wirklich von einem Autokraten so im Wahlkampf instrumentalisieren lassen wollen“, schrieb er.

 

 

Die AfD-Politikerin Alice Weidel findet, Özil und Gündogan sollten nicht zum deutschen Kader für die Fußball-WM gehören. Die Vorsitzende der Bundestagsfraktion schrieb auf Facebook: „Gündogan & Özil zuhause lassen!“

 

 

„Das, was die zwei da vorgelegt haben, spottet jeder Beschreibung, das geht gar nicht“, meinte der Grünen-Politiker Cem Özdemir. „Ich erwarte von den beiden, dass sie sich jetzt klar äußern, sich distanzieren.“ Sie hätten sich „hergegeben für eine billige Propagandashow für einen Despoten, für einen autoritären Herrscher“.

Die stellvertretende Linksfraktionschefin Sevim Dagdelen warf den beiden vor: „Im Londoner Luxushotel mit dem Despoten Erdogan zu posieren und ihn auch noch als „meinen Präsidenten“ zu hofieren, während in der Türkei Demokraten verfolgt und kritische Journalisten inhaftiert werden, ist ein grobes Foul“, sagte sie.

 

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