• 16.08.2017
  • 13:43 Uhr

Fipronil-Skandal schlimmer als gedacht?

Allein nach Niedersachsen sind 35,3 Millionen Eier geliefert worden, die möglicherweise verseucht waren.

Sowohl der Handel als auch die Länderbehörden haben seit Bekanntwerden des Skandals potenziell betroffene Eier aus dem Handel genommen.

Das geht aus Daten des EU-Schnellwarnsystems hervor, sagte Niedersachsens Agrarminister Christian Meyer (Grüne) heute im Landtag. Außerdem seien aus Niedersachsen knapp 17 Millionen Eier ausgeliefert worden, die im Verdacht stehen, mit dem Insektizid belastet zu sein. Dabei handelt es sich sowohl um Eier aus Verdachtsbetrieben in den Niederlanden als auch um Eier aus vier niedersächsischen Legehennenbetrieben, in denen Fipronil nachgewiesen wurde. Das Ausmaß des Fipronil-Skandals sei damit größer als vom Bundesagrarministerium behauptet.

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit widerspricht dem: Es führe zu einer „massiven Überschätzung“ der Zahl, wenn man die vom europäischen Schnellwarnsystem übermittelten Zahlen „rein mathematisch“ zusammenführe. Die Zahl 10,7 Millionen sei die Zahl der in Deutschland bekannten Fälle, bei denen in Eiern Fipronil nachgewiesen worden sei.

Verseuchte Eier schon ab Mai ausgeliefert?

Zu einem Streitpunkt in der Landtagsdebatte in Niedersachsen wurde die Frage, seit wann belastete Eier in dem Bundesland in den Handel gelangt sind. Anders als Meyer geht der CDU-Agrarexperte Helmut Dammann-Tamke davon aus, dass bereits ab Mai über eine Zeit von zweieinhalb Monaten belastete Eier von niedersächsischen Betrieben ausgeliefert wurden.

Fipronil in Pfannkuchen-Masse nachgewiesen

Unterdessen wurden in Ungarn Tiefprodukte aus Deutschland sichergestellt, die mit Fipronil belastet sind. Bei dem Produkt handelt es sich demnach um tiefgefrorene Pfannkuchen-Masse. Die Ladung wurde mit Hilfe von Informationen des europäischen Schnellwarnsystems für Lebens- und Futtermittel (RASFF) ausfindig gemacht und vernichtet.

  • 05.08.2017
  • 15:36 Uhr

Wer ist verantwortlich für den Eier-Skandal?

Wie jetzt bekannt wird, wussten belgische Behörden schon seit Juni Bescheid!

In der Affäre um giftbelastete Eier wehrt sich Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt gegen Kritik an seinem Krisenmanagement. Man sei „seit Tagen nahezu rund um die Uhr im Einsatz, um weitere Kenntnisse über den Sachverhalt zu erlangen und um den Informationsaustausch zwischen den Behörden sicherzustellen“, betonte der CSU-Politiker in der „Passauer Neuen Presse“. Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt hatte ihm vorgeworfen, tagelang in der Versenkung zu verschwinden, während die Verbraucher verunsichert seien.

Belgische Behörden wussten seit Anfang Juni vom Gift

„Wir wussten seit Anfang Juni, dass es möglicherweise ein Problem mit Fipronil in der Geflügelzucht gibt“, bestätigte eine Sprecherin der belgischen Lebensmittelsicherheitsbehörde FASNK. Die Behörde habe sofort eine Untersuchung eingeleitet und zudem die Staatsanwaltschaft informiert. „Von da an galt das Ermittlungsgeheimnis.“

Produkte mit verarbeiteten Fipronil-Eiern zurückgerufen

Mit Fipronil belastete Eier oder daraus erzeugte Produkte sind inzwischen in 14 Bundesländern gefunden worden. Am Freitagabend wurden außerdem erstmals verarbeitete Produkte zurückgerufen: Das Unternehmen Neue Mayo Feinkost rief sechs Salatprodukte zurück, für die Fipronil-Eier verarbeitet worden sein sollen. Betroffen sind hier Berlin, Hamburg, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein.

Der Eier-Skandal hat sich mittlerweile sogar bis in die Schweiz und nach Schweden ausgeweitet. Vor allem in den Niederlanden war in Legehennenbetrieben das für diesen Zweck verbotene Insektengift Fipronil eingesetzt worden. Die giftige Substanz gelangte nach derzeitigem Stand der Ermittlungen über das Reinigungsmittel Dega-16 in die Ställe. Vermutlich hatte ein belgischer Hersteller Fipronil beigemischt.

Bauernverband fordert Schadenersatz

„Die betroffenen Landwirte dürfen nicht auf ihren Schäden sitzen bleiben und müssen entschädigt werden“, sagte der stellvertretende DBV-Generalsekretär Udo Hemmerling den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Aktuell sind bundesweit vier Betriebe wegen Fipronil-Funden gesperrt, weitere werden überprüft. „Einem typischen gesperrten Betrieb entsteht täglich ein Schaden von rund 4.000 Euro an Umsatzverlust.“

Eier wegen Salmonellen-Verdachts zurückgerufen

Ein weiteres Problem mit Eiern: Wegen des Verdachts auf Salmonellen rief das Regensburger Unternehmen Axvitalis in Bayern, Baden-Württemberg, Thüringen und Hessen Eier aus Bodenhaltung zurück:

 

  • Code auf dem Ei: 2-DE-0358851
  • Mindesthaltbarkeitsdatum: 4. Bis 16. August 2017

 

Verbraucher, die Eier mit dieser Nummer gekauft haben, wurden gebeten, sie bei ihren Verkaufsstellen abzugeben. Der Verzehr kann zu Übelkeit, Erbrechen und Durchfall führen.

  • 04.08.2017
  • 17:46 Uhr

Sind auch eihaltige Produkte betroffen?

Zehn Millionen belastete Eier gelangten nach Deutschland.

Der Skandal um insektizidbelastete Eier hat nun fast alle Bundesländer erreicht. Lediglich im Saarland und in Sachsen fanden sich noch keine Hinweise auf mit Fipronil belastete Eier.

Nachdem bekannt wurde, dass nicht drei sondern zehn Millionen verseuchte Eier nach Deutschland gelangten, werden nun auch eihaltige Produkte unter die Lupe genommen. Laut einem Experten des Chemischen und Veterinäruntersuchungsamts Münsterland-Emscher-Lippe könnten sich auch Fipronil-Rückstände in Produkten wie Mayonnaise oder Eierlikör finden.

Es sei naheliegend, dass es nicht bei Eiern bleiben werde, so der Experte. Derzeit werde geprüft, ob auch von Hühnerfleisch eine Gesundheitsgefahr ausgehe.

Die Verbraucher reagieren: Bei Eiern sei mittlerweile „eine deutliche Kaufzurückhaltung“ zu beobachten, hieß es von Rewe. Aldi Nord und Aldi Süd nahmen deutschlandweit vorsorglich sämtliche Eier aus dem Verkauf. In die Regale kommen nur noch Eier, die auf die giftige Substanz getestet wurden.

Ob ihr belastete Eier im Kühlschrank habt, lässt sich über die Stempelnummer herausfinden. Diese Nummer liefert Aufschluss darüber, aus welchem Betrieb die Eier stammen. Auf lebensmittelwarnung.de finden sich aktuell 27 Prüfnummern. Eier, die sich den gelisteten Kennnummern zuordnen lassen, sind laut Verbraucherzentrale Berlin nicht mehr zum Verzehr geeignet und sollten entsorgt werden.

  • 04.08.2017
  • 10:21 Uhr

ALDI nimmt alle Eier aus dem Regal

Im Skandal um Fipronil verseuchte Eier hat der Discounter vorsorglich den Verkauf gestoppt.

Bei Aldi gibt es vorerst keine Eier mehr.

Die Lebensmitteldiscounter Aldi-Nord und Aldi-Süd verkaufen deutschlandweit bis auf Weiteres keine Eier mehr. Eine reine Vorsichtsmaßnahme heißt es aus den Unternehmen. Denn Aldi geht laut Mitteilung eigentlich nicht davon aus, dass die Eier gesundheitsschädlich waren.

Engpässe befürchtet

Der Discounter will künftig nur noch Eier verkaufen, die vorab auf das Läusemittel Fipronil negativ getestet wurden. Da könnte allerdings dazu führen, dass zunächst zu wenige Eier im Regal landen und schnell ausverkauft sind.

Skandal weitet sich aus

Inzwischen sind laut des niedersächsischen Agrarministeriums schon mehr Bundesländer mit den verseuchten Eiern beliefert worden als ursprünglich angenommen. Statt drei Millionen sollen sogar zehn Millionen der kontaminierten Eier in den Handel gelangt sein. Niedersachsens Agrarminister Meyer sagte im ZDF, der Höhepunkt des Gift-Skandals sei noch nicht erreicht.

Vorerst nicht betroffen waren laut Bundesagrarministerium Mecklenburg-Vorpommern, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt und das Saarland.

  • 03.08.2017
  • 19:55 Uhr

Verseuchte Eier: Was ihr jetzt wissen müsst!

Die mit einem Insektizid verseuchten Eier sind in weiten Teilen Deutschlands in den Handel gelangt.

Der Skandal um insektizidbelastete Eier weitet sich immer weiter aus: In zwölf Bundesländern wurden laut Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) Eier gefunden, die Rückstände des Gifts Fipronil aufwiesen. Und dabei handelt es sich längst nicht mehr nur um Eier, die von Höfen aus den Niederlanden stammen, auch in Niedersachsen wurde das Insektizid benutzt.

Insgesamt gibt es in Niedersachsen vier Betriebe, in denen sich der Verdacht auf unzulässige Fipronil-Werte bestätigt hat. Bei einem möglichen weiteren fünften Betrieb gebe es noch Unklarheiten, so ein Ministeriumssprecher. Die Eier der betroffenen Höfe dürfen nicht mehr verkauft werden und müssen wahrscheinlich entsorgt werden.

Neben Niedersachsen listet das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit die Länder Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen und Schleswig-Holstein auf. Die großen Lebensmittelhändler und Discounter reagierten bereits und kündigten an, sämtliche Eier von Höfen, auf denen ein Mix aus dem Milbenbekämpfungsmittel DEGA 16 und dem giftigen Fipronil eingesetzt wurde, aus dem Verkauf zu nehmen.

Diese Chargen aus Deutschland sind betroffen: 1-DE-0358001, 0-DE-0360521, 1-DE-0357731;

Chargen, die von niederländischen Höfen stammen, die betroffen sind: 0-NL-4310001, 0-NL 4392501, 0-NL 4385501, 0-NL-4170101, 1-NL 4128604, 1-NL-4167902, 1-NL-4339301,  1-NL-4385701, 1-NL-4331901, 1-NL-4359801, 1-NL-4322401, 1-NL-4385701, 1-NL 4286001, 1-NL-4339912 , 2-NL-4015502, 2-NL-4322402,  2-NL-4212103, 2-NL- 4385702, 2-NL-4332601, 2-NL-4332602;

Wie lassen sich die verseuchten Eier überhaupt erkennen? Anhand der Stempel-Nummern lässt sich leicht überprüfen, ob Eier mit Fipronil belastet sind. Die betroffenen Prüfnummern haben wir direkt darüber aufgelistet.

Sind andere Lebensmittel mit Ei wie Mayonnaise oder Nudeln auch belastet? Lebensmittel, in denen belastete Eier stecken, können genauso viel Fipronil enthalten wie die verarbeiteten Eier selbst. Doch wie viel etwa in einer Portion Eiernudeln steckt, hängt von der Menge Eier ab, die verarbeitet wurden. 

Ist auch Hühnerfleisch betroffen? Nein. Legehennen werden sowieso nicht für den menschlichen Verzehr gezüchtet. Ihr Fleisch könnte aber etwa in Dosensuppen landen. Um das zu verhindern, werden in den Niederlanden mit Fipronil verseuchte Legehennen getötet und das Fleisch entsorgt.

Wie viele belastete Eier müsste ein Erwachsener essen, um negative Folgen fürchten zu müssen? Bislang lagen die höchsten Fipronil-Werte bei 1,2 Milligramm pro Kilogramm Ei. Auf der Basis kann nach der Berechnung des BfR ein Erwachsener mit 65 Kilo Körpergewicht 7 Eier innerhalb von 24 Stunden essen, ohne den Wert zu überschreiten.

© 2017 RTL II News | Alle Rechte vorbehalten.