• 04.10.2017
  • 16:27 Uhr

Wer darf künftig Medizin studieren?

Soll die Abiturnote weiterhin entscheidend sein, wer ein Medizinstudium beginnen darf und wer nicht? Dies soll nun das Bundesverfassungsgericht klären.

Bei der direkten Vergabe eines Studienplatzes für Medizin ist ein Notendurchschnitt (Numerus Clausus) von 1,0 bis 1,2 erforderlich.

Total überfüllte Wartezimmer, Terminvergabe, die Patienten an den Rande des Wahnsinns treibt – gerade in ländlichen und strukturschwachen Regionen ist der Ärztemangel längst spürbar.

Umso ärgerlicher ist es, dass zwar ausreichend Nachwuchs in den Startlöchern steht, die bestehenden Hürden potentielle Bewerber aber massiv ausbremsen. Das könnte sich in naher Zukunft ändern. Das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe prüft nun nämlich die Zulassungsbedingungen für das Medizinstudium. Im Fokus steht dabei, ob die Konzentration auf die Abiturnote mit dem Grundrecht auf freie Wahl des Berufs und des Ausbildungsplatzes sowie dem Gleichheitsgrundsatz vereinbar ist.

Hintergrund des Verfahrens sind Klagen von zwei Bewerbern für das Studienfach Humanmedizin vor dem Verwaltungsgericht Gelsenkirchen. Die Richter dort halten Teile der Regelungen für verfassungswidrig, weil viele Bewerber von vornherein ausgeschlossen seien. Der Vorsitzende des Ersten Senats, Ferdinand Kirchhof, fragte eingangs, ob die Abiturnote in einem föderal differenzierten Schulsystem dafür überhaupt aussagekräftig sei.

Aktuell werden 20 Prozent der Studienplätze nach Abiturnote vergeben, 20 Prozent nach Wartezeit und der Rest in einem Auswahlverfahren direkt an den Hochschulen, bei dem auch die Abiturnote eine große Rolle spielt.

Nach Kirchhofs Angaben drängen sich aktuell fast 62.000 Bewerber auf knapp 11.000 Ausbildungsplätze. Im Wartezeitverfahren dauert es 14 bis 15 Semester bis zur Zulassung. Das Gelsenkirchener Gericht hält Wartezeiten, die die Regelstudienzeit überschreiten, für verfassungswidrig.

Bis zu einer Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts vergehen in der Regel mehrere Monate.

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