• 07.10.2017
  • 18:17 Uhr

Depression: Das sind typische Symptome!

Prof. Dr. Isabella Heuser von der Berliner Charité klärt auf.

Wenn die Seele den Körper krank macht: Mehr als fünf Millionen Menschen in Deutschland erkranken jährlich an Depressionen. Eine Krankheit, die möglichst früh erkannt werden sollte, doch genau darin liegt auch das Problem.

„Antriebslosigkeit, Interessensverlust, Schlafstörungen, das Vernachlässigen von Hobbys und Freunden“ – das sind laut Isabella Heuser, Direktorin der Psychiatrie an der Charité, typische Symptome einer Depression, die sich allmählich entwickeln. Woran ihr noch erkennen könnt, ob ihr depressionsgefährdet seid und ab wann unbedingt ein Arzt aufgesucht werden sollte, erfahrt ihr im Video.

  • 04.08.2017
  • 17:59 Uhr

Was Depressionen mit einem Menschen machen

Wir sagen euch, wie ihr eine Depression erkennt und wo ihr Hilfe bekommt.

Laut einer Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) waren 2015 rund 322 Millionen Menschen von Depressionen betroffen, das entspricht 4,4 Prozent der Weltbevölkerung.

Man kann nie hinter die Fassade eines Menschen blicken… Eine der Lehren aus dem unerwarteten Tod des Linkin-Park-Sängers Chester Bennington.
Der 41-Jährige hat Selbstmord begangen, das hat der Gerichtsmediziner jetzt bestätigt. Chester litt an Depressionen.

Und so eine Depression hat viele Gesichter. Es ist für Betroffene und Angehörige nicht immer leicht, die Zeichen zu erkennen. Die Krankheit äußerst sich nicht bei jedem gleich, und viele Menschen sind sogar noch eine Weile in der Lage, die Symptome vor anderen zu verbergen. Man muss also schon genau hinschauen und besonders aufmerksam sein – sich selbst und anderen gegenüber.

Insgesamt erkranken laut der Deutschen Depressionshilfe bei uns ca. 5,3 Mio. Menschen im Laufe eines Jahres an einer Depression, Frauen dabei häufiger als Männer. Etwa jede vierte Frau und jeder achte Mann ist im Laufe des Lebens von einer Depression betroffen.

EINE DEPRESSION ERKENNEN

Die Deutsche Depressionshilfe unterscheidet zwischen Haupt- und Zusatzsymptomen.

 

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Hauptsymptome

Gedrückte Stimmung – Depressionen gehen oft mit einer niedergeschlagenen, gedrückten Stimmung einher. Manche Betroffene berichten auch von innerer Leere und der Unfähigkeit, eigene Gefühle wahrnehmen zu können. Sie geben an, sich wie versteinert zu fühlen.
Interessen- oder Freudlosigkeit – Menschen mit Depression verlieren das Interesse an früher für sie bedeutsamen Dingen und Aktivitäten. So machen beispielsweise Hobbys, der Beruf, Freizeitaktivitäten oder gemeinsame Unternehmungen mit der Familie oder dem Freundeskreis keine Freude mehr. Das Interesse daran ist „verloren gegangen“.
Antriebsmangel bzw. erhöhte Ermüdbarkeit– Im Rahmen einer Depression ist der Antrieb häufig gestört, d.h. Betroffene können sich nur schwer aufraffen. Selbst die Erledigung alltäglicher Dinge wie Einkaufen, Aufräumen, Arbeiten usw. kann große Überwindung kosten, schnell zu Ermüdung führen und zum Teil einfach auch nicht bewältigt werden. Die eingeschränkte Aktivität kann sich darüber hinaus in Gesichtsausdruck und Körperhaltung zeigen: Das Gesicht erscheint versteinert, die Bewegungen kraftlos. Auch das Treffen von Entscheidungen fällt schwer: Der Betroffene hat das Gefühl, wofür er sich auch entscheidet, es ist falsch.

Zusatzsymptome

Verminderte Konzentration und Aufmerksamkeit – In einer Depression erreicht die Umwelt den an Depression Erkrankten nicht mehr richtig, die Dinge sprechen ihn nicht an. Deshalb können Betroffene sich oft nicht erinnern, was vor kurzem passiert ist und machen sich dann Sorgen, zum Beispiel an einer Alzheimer-Demenz erkrankt zu sein.
Vermindertes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen – Bei einer Depression sind Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen fast immer beeinträchtigt. Dies äußert sich zum Beispiel in einem permanenten „Herumnörgeln“ an sich selbst.
Gefühle von Schuld und Wertlosigkeit – An Depression erkrankte Menschen suchen die Schuld meist bei sich selbst, nicht bei den Familienmitgliedern, den Kollegen oder der Gesellschaft. Sie haben das Gefühl, die Fürsorge anderer gar nicht zu verdienen.
Negative und pessimistische Zukunftsperspektiven – Depressionen sind immer von dem Gefühl begleitet, aus der Situation nicht mehr herauszukommen. Betroffene sehen häufig keinen Ausweg mehr.
Suizidgedanken/-handlungen – Bei von Depression Betroffenen besteht häufig der Wunsch, der als aussichtslos und ausweglos empfundenen Situation irgendwie zu entkommen, bis hin zu dem Gedanken, sich etwas anzutun.
Schlafstörungen – Auch Schlafstörungen, meist Einschlafstörungen und ein frühes Erwachen sind ein typisches Symptom einer Depression.
Verminderter Appetit – Bei einer Depression ist oft auch der Appetit vermindert, das Essen schmeckt nicht mehr, was zu Gewichtsverlust führen kann.

AUSLÖSER FÜR DEPRESSIONEN

Meist lässt sich die Erkrankung nicht auf eine einzige Ursache oder einen einzigen Auslöser zurückführen. Sie entwickelt sich eher im Zusammenspiel unterschiedlicher Faktoren. Einige Menschen haben die Veranlagung dazu und ein erhöhtes RisiKo, depressiv zu werden. Aber auch Schicksalsschläge können das Auftreten einer Depression begünstigen. Bei jedem aber gibt es die psychosoziale und die neurobiologische Seite der Erkrankung.

 

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Beide Bereiche schließen sich nicht etwa aus, sondern ergänzen sich. Eine Depression hat meist auf der psychischen und auf der körperlichen Seite ihre Ursachen.

 

WO GIBT ES HILFE?

  • Erster Ansprechpartner sollte der Hausarzt sein. Dieser überweis bei Bedarf an einen Psychiater, Neurologen oder einen Therapeuten.
  • Bei konkreten Suizidgedanken könnt ihr euch direkt an die nächste psychiatrische Klinik oder den Notarzt unter 112 wenden.
  • Auch der Sozialpsychiatrische Dienst bietet Hilfe für Mensche mit psychischen Erkrankungen und deren Angehörige. Die Adresse der nächsten Niederlassung gibt es über das Gesundheitsamt oder bei der Suche im Internet.

Bei weiteren Fragen zu Depressionen und Anlaufstellen für Betroffene und Angehörige steht das Info-Telefon der Deutschen Depressionshilfe unter 0800 / 33 44 533 zur Verfügung.

 

WAS TUN ALS ANGEHÖRIGER?

Eine Depression kann einen Menschen komplett verändern, so dass man seinen Freund, die Mutter oder den Bruder kaum noch wieder erkennt. Einst lebenslustig, heute leer und kraftlos. Wichtig ist, die Depression als Krankheit zu erkennen und als solche auch zu akzeptieren. Wut und Frust helfen dem Erkrankten nicht weiter und ändern nichts, sondern setzen ihn nur zusätzlich unter Druck.

Die Deutsche Depressionshilfe rät Angehörigen:

  • Einen Arzt zu Rate ziehen – Depressionen sind einen Krankheit und nicht selten auch körperlicher Natur.
  • Geduldig bleiben – Auch wenn es manchmal schwer fällt, ist es wichtig, dem Depressiven gegenüber Ruhe zu bewahren, nicht genervt oder sauer zu werden.
  • Sich nicht selbst überfordern – Man sollte immer auch auf sich selbst achten und sich Auszeiten nehmen, um auf andere Gedanken zu kommen.
  • Keine gut gemeinten Ratschläge erteilen – Ein „Stell dich nicht so an“ oder „Das wird schon wieder“ hilft einem Depressiven überhaupt nicht. Es zeigt nur, dass man seine Gefühle nicht ernst nimmt.
  • Keine wichtigen Entscheidungen treffen lassen – Vieles ist durch die Depression eingefärbt und Entscheidungen, die in einer solchen Phase getroffen werden, können sich später als falsch erweisen.

 

WAS TUN BEI SUIZID-GEFAHR?

Wenn ein Mensch den Gedanken äußerst, im Leben keinen Sinn mehr zu sehen und es beenden zu wollen, sollte man das IMMER ernst nehmen. Bei Depressiven ist das ein Hinweise auf eine ernste Gefährdung. Häufig beginnen Menschen mit Suizidgedanken, ihre Angelegenheiten zu ordnen und Abschied zu nehmen. Wer sich einmal zum Selbstmord entschlossen hat, wirkt oft ruhiger, festigter und weniger verzweifelt. Das kann schnell als Besserung seines Zustands missverstanden werden.

Wichtig ist, bei einer Ahnung das Thema anzusprechen und professionelle Hilfe hinzuzuziehen. Sich selbst als Therapeut zu versuchen, ist nicht empfehlenswert, aber man kann dem Betroffenen unterstützend zur Seite stehen – ihm bei der Hilfe nach einem Arzt oder einer Klinik helfen o.ä. Denn was ein Mensch in einer solchen Situation braucht ist das Gefühl, nicht allein zu sein, auch wenn er das aus Scham und Schuld zunächst abzulehnen scheint.

Wenn der suizidgefährdete Freund oder Verwandte zu keinem Gespräch mehr bereit ist, besteht dringend Handlungsbedarf. Ruft einen Notarzt, erklärt die Situation und lasst den Betroffenen nicht allein, bis der Notarzt eintrifft. Die Lebensmüdigkeit ist oft nur ein vorübergehender Zustand und auch in schwierigen Lebensphasen kommt der Lebensmut irgendwann doch wieder zurück.

Umfassende Informationen rund um das Thema Depressionen und Suizidaliät gibt es bei der Deutschen Depressionshilfe. Hier könnt ihr auch direkt einen Selbsttest zu Depressionen machen.

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