• 11.10.2017
  • 19:16 Uhr

Job nur gegen Sex?

Wir sagen euch, wie ihr euch gegen diese Form der Erpressung wehrt.

Gerade macht der Fall Harvey Weinstein Schlagzeilen. Der 65-Jährige ist seit Jahrzehnten ein angesehener Hollywood-Produzent, der unter anderem Filme wie „Pulp Fiction“ und „Good Will Hunting“ möglich machte. In all den Jahren als einflussreicher Mann im Filmbusiness soll er zahlreiche Schauspielerinnen und Angestellte seiner Produktionsfirma sexuell erpresst haben. Frei nach dem Motto: Kommst du auf meine „Besetzungscouch“, verschaffe ich dir die gewünschte Rolle bzw. den Job.

Immer mehr Frauen melden sich und geben an, von Weinstein auf diese Weise in die Enge getrieben worden zu sein, drei von ihnen soll er sogar vergewaltigt haben. Unter seinen Opfern sind viele heute erfolgreiche Schauspielerinnen wie Angelina Jolie, Ashley Judd und Gwyneth Paltrow.

Paltrow ist 22, als Weinstein sie 1996 an der Tür seines Hotelzimmers in Beverly Hills begrüßt, bekleidet nur mit einem Bademantel. Paltrow winkt die Hauptrolle in Weinsteins neuen Projekt „Emma“, sofern sie sich ihm gegenüber erkenntlich zeigt – mit einer gegenseitigen Massage im angeschlossenen Schlafzimmer. Paltrow ist wie versteinert, verneint und vertraut sich später ihrem damaligen Freund Brad Pitt an. Der Vorfall gerät nicht an die Öffentlichkeit, denn Hollywood schweigt – und das offenbar nicht zum ersten und auch nicht zum letzten Mal.

Sexuelle Erpressung ist ein Tabuthema, nicht nur in Hollywood. Auch im normalen Berufsalltag begegnen Frauen immer wieder Männern, die versuchen, ihre Position auszunutzen. Wie also geht ihr mit einer solchen Situation am besten um? Und wo bekommt ihr im Notfall wirklich Hilfe?

NICHT SCHWEIGEN

Wer sich am Arbeitsplatz belästigt fühlt, sollte das nicht für sich behalten. Denn das ist meistens das größte Problem bei sexuellen Übergriffen von Führungspositionen.

Ab wann spricht man von sexueller Belästigung?

Vielen ist die Grenze zwischen harmlosem Flirten und einer Belästigung nicht ganz deutlich. Im Gesetz ist sie jedoch klar definiert:

„Eine Belästigungshandlung lässt sich an klaren Merkmalen festmachen: Nur für eine beteiligte Person ist diese erwünscht, es liegt also eine Einseitigkeit vor. Das Gegenüber wird dabei häufig erniedrigt oder abgewertet. Außerdem kommt es nicht selten zur Drohungen mit beruflichen Nachteilen, die bei Verweigerung eintreten. Andersherum können Beschäftigte auch mit Versprechen zu beruflichen Vorteilen zu Handlungen gezwungen werden.“

Drei Formen von Belästigung

→ körperliche Belästigung: Darunter fallen auch unerwünschte Berührungen wie Tätscheln, Streicheln oder Kneifen.
→ verbale Belästigung: Zweideutigkeiten oder intime Fragen zu der Privatsphäre.
→ non-verbale Belästigung: Ungewollte Konfrontationen mit sexuellen oder intimen Inhalten, Hinterherpfeifen oder auch anzügliche Blicke.

Mehr dazu erfahrt ihr HIER.

RICHTIGES VERHALTEN

Wehre dich! Sag deinem Vorgesetzten, wenn du dich bei einer Tat oder Handlung unwohl fühlst und bitte ihn, dies zu unterlassen. So können vermeintliche Missverständnisse von vorn herein aus dem Weg geschafft werden.

Rede darüber! Zögere nicht, eine Vertrauensperson um Rat zu fragen. Das könnte auch ein Kollege oder eine Kollegin sein. Natürlich solltest du dieser Person vertrauen. Viele Betroffene glauben, sie reagieren über oder interpretieren die Annäherungen des Vorgesetzten falsch. Meistens hilft eine objektive Meinung, um die Situation angemessen einzuschätzen.

Gehe zum Betriebsrat oder zum Gleichstellungsbeauftragten! Viele größere Unternehmen haben eine interne Anlaufstelle für Frauen oder Männer, die sich am Arbeitsplatz unwohl fühlen.

Kündige nicht sofort! Viele Opfer kündigen aus Scham selbst, weil sie glauben, sie hätten keine Chance gegen hohe Führungspositionen. Wende dich vorher immer an die aufgeführten Beratungsstellen oder an einen Anwalt für Arbeitsrecht. Denn sexuelle Übergriffe sind ein anerkannter Grund, nicht zur Arbeit zu erscheinen.

ANLAUFSTELLEN

Sollte es an deinem Arbeitsplatz keine zuständige Stelle geben, bleibt dir die Antidiskriminierungsstelle des Bundes. Die meisten Städte in Deutschland haben eine regionale Stelle, an die sich Betroffene entweder telefonisch oder persönlich wenden können. Mehr dazu gibt es HIER.

Hilfe- und Beratungsstelle der Antidiskriminierungsstelle des Bundes: 030/185551865
Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen: 0800/0116016

In den meisten Städten gibt es auch private Einrichtungen, die Zuflucht bieten. Unter dem Begriff „Beratungsstelle gegen sexualisierte Gewalt“ und dem Namen eurer Stadt lassen sich die über die Suchmaschinen leicht finden.

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