• 15.06.2018
  • 10:05 Uhr

Aufpassen! Gefräßige Raupen mit giftigen Haaren

Der Eichenprozessionsspinner breitet sich noch mehr aus.

Wegen dieser Raupe werden Wege gesperrt und Spielplätze geschlossen.

Die kleinen gefräßigen Raupen mit giftigen Härchen breiten sich in Deutschland immer weiter aus – nicht nur Richtung Norden. In diesem Jahr hat das Wetter dem Eichenprozessionsspinner dabei besonders geholfen. Nach Einschätzung des Insektenkundlers und Försters Thomas Sobczyk kam die Wärme genau zum richtigen Zeitpunkt für die Raupen. „So gibt es mehr Einzeltiere als im Vorjahr.“

Die Raupen können Eichen kahlfressen, aber auch für Menschen gefährlich werden. Ihre Härchen führen zu Pusteln und Hautausschlag. Habe es einen erwischt, helfe viel kaltes Wasser zum Abwaschen, rät Sobczyk.

Der Ausschlag heilt in der Regel von selbst aus. Die Haare können in seltenen Fällen jedoch auch Atembeschwerden, Atemnot, Augenreizungen oder gar einen allergischen Schock auslösen.

Betroffene Gemeinden reagieren

Im nordrhein-westfälischen Velbert führten die Tiere in diesem Jahr zu Unterrichtsausfall. Rund 400 Kinder durften nach Stadtangaben zuhause bleiben, weil Fachleute die Raupen mit einem Spezialgerät von 17 Bäumen auf dem Schulgelände absaugen mussten.

 

 

Dabei bestand die Gefahr, dass die giftigen Raupen-Härchen vom Wind verbreitet werden. Andernorts wurden Spazier- und Radwege wegen der Raupen gesperrt. In Kaiserslautern sind einige Spielplätze betroffen.

Die Plage wird größer

Der in Deutschland heimische Nachtfalter bevorzugt warme Gebiete und breitet sich derzeit aus. Im vergangenen Jahr ist er erstmals im küstennahen Bereich bei Rostock und auf der Ostsee-Insel Usedom festgestellt worden. Das berichtet die Landesforstanstalt Mecklenburg-Vorpommern.

Andernorts etwa in Sachsen oder Thüringen werden die Verbreitungsgebiete laut Experten immer größer und fließen zusammen. In Niedersachsen ist es ähnlich.

Der Eichenprozessionsspinner (Thaumetopoea processionea) muss laut Sobczyk nicht überall bekämpft werden. Die Raupe fresse zwar in den Kronen von Eichenbäumen und könne sie dadurch schwächen.

Die Fraßschäden seien jedoch nicht unbedingt tödlich, denn die Eichen haben noch den „Johannistrieb“ Ende Juni oder im Juli. Wenn jedoch danach weitere Insektenarten oder schlechte Witterungsbedingungen hinzukämen, könnten die Bäume ernsthaft geschädigt werden oder gar sterben.

Gefährlich für Menschen sind vor allem die Brennhaare, die sich festhaken und Gift enthalten. „In Alleen und Parks sind die Brennhaare ein deutlich größeres Problem als der Raupenfraß an den Blättern“, sagt Sobczyk.

Gegenmaßnahmen

In vielen Stadtgebieten oder gar Kindergärten sollten die Nester entfernt werden. „Dazu sind Spezialfirmen nötig, das sollte man tunlichst nicht selber machen. Die mikroskopische kleinen Haare werden durch Abflämmen oder Abkratzen aufgewirbelt.“

Der Eichenprozessionsspinner ist ein unscheinbarer Nachtfalter mit einer Flügelspannweite von gerade einmal 25 bis 30 Millimetern. Seinen Namen erhielt der Schmetterling, weil seine Raupen nachts gemeinsam wie bei einer Prozession vom Nest in die Baumkrone krabbeln und dort fressen.

Während die Raupen der für den Menschen ungefährlichen Gespinstmotten jedoch ganze Gehölze mit weißen Schleiern überziehen, bilden die der Eichenprozessionsspinner nur einzelne Nester.

Mancherorts hat der Kampf gegen die Schädlinge Erfolg: Seit 2004 versucht das Bundesland Brandenburg, den Eichenprozessionsspinner aus den Wäldern zurückzudrängen. Bei der erstmaligen Bekämpfung wurden 106 Hektar Wald vom Hubschrauber aus mit einem biologischen Mittel besprüht, wie der Einsatzleiter Michael Kopka vom Landesbetrieb Forst Brandenburg erläutert.

Dieses Jahr habe man mit 28 Hektar die geringste Fläche. Auch die Zahl der registrierten Arztbesuche wegen der Raupenhaare sei in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen.

  • 09.06.2018
  • 16:15 Uhr

Nicht anfassen! Diese giftige Raupe breitet sich gerade aus

Der Eichenprozessionsspinner hat feine Gifthärchen.

Die weißen Nester des Eichenprozessionsspinners bedecken teilweise ganze Bäume.

Der einheimische Eichenprozessionsspinner breitet sich immer weiter aus. Befallene Bäume sind teilweise fast komplett mit den weißen Netzen der Raupe bedeckt. Menschen sollten die befallenen Bäume laut BUND meiden. Denn die feinen Härchen der Raupe können bei Kontakt zu Hautjucken, Atemnot oder einem allergischen Schock führen.

Weil die Härchen leicht von der Raupe abbrechen, können sie über die Luft weitergetragen werden. So passiert auch in Seehausen in Sachsen-Anhalt. Einem 8-jährigen Mädchen flogen auf dem Schulhof die feinen Härchen in die Atemwege und Augen. Ihre Lider schwollen an, sie hatte starke Schmerzen und verlor kurz das Bewusstsein.

Der Bürgermeister der Stadt, Rüdiger Kloth, spricht von katastrophalen Zuständen: „Es gibt bereits mehrere hundert Verletzte durch den Eichenprozessionsspinner.“

Allerdings sind bislang nur einzelne Regionen wie Hessen und Sachsen-Anhalt so massiv betroffen. Ganze Radwege und Spazierwege sind dort gesperrt, bis die Gefahr beseitigt ist.

Bei den Problemen, die das kleine Tierchen regelmäßig bereitet, handle es sich nur um ein saisonales Phänomen. Wenn die Raupen sich verpuppen, ist das Problem vorbei.

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