• 04.02.2016
  • 07:33 Uhr

Besuch in der Charité zum Weltkrebstag

Unser Reporter Christoph hat eine Kinder-Krebsstation und eine Gruppe von Künstlern besucht, die dort für gute Stimmung sorgen.

Ich habe ein mulmiges Gefühl, als ich mit dem Kamerateam auf das Gelände der Berliner Charité fahre. 14.15 Uhr, wir sind pünktlich zum Dreh in der Onkologie: die Station, die sich mit Krebs befasst – eine der teuflischsten Krankheiten unserer Zeit. Und heute geht es auch noch um erkrankte Kinder.

Erst vor kurzem haben wir in den RTL2 News über eine neue Studie des Robert-Koch-Instituts berichtet: Rund jeder zweite Deutsche erkrankt in seinem Leben an Krebs. Erschreckend. Und noch erschreckender ist es, wenn es Kinder trifft.

 

 

Jetzt bin ich auf der Station, sitze vor Josy-Lou und weiß nicht weiter. Sie ist 3, hat strahlend blaue Augen und eine Mütze auf, weil ihr wegen der Chemotherapie keine Haare wachsen. Es ist ein unwirkliches Bild, dass dieses junge Leben schon so belastet ist – und es macht mich traurig. In solchen Momenten fällt es schwer, einfach so weiterzumachen: Interview, nächste Kameraeinstellung, und bitte.

Ihre Mutter Julia erzählt mir, dass sie und ihr Mann die Erkrankung zufällig entdeckten, an Weihnachten. Josy-Lou hätte da so eine knubbelige Stelle gehabt. Beim Arzt stellte sich heraus: Es ist ein Lebertumor, groß wie ein Tennisball. Ab diesem Moment dreht sich ihr Leben komplett. Seit sechs Wochen ist ihre Tochter auf Station und wird behandelt, seit sechs Wochen wechselt sich das Paar ab: Mal schläft Julia im Zimmer ihrer Tochter, mal ihr Mann. Es ist ein anstrengendes neues Leben, das sie jetzt führen müssen. Und die Chancen auf Heilung sind ungewiss und erst nach Jahren wirklich klar: Wird es der Kleinen wieder gut gehen?

Und so wie Josy gibt es viele unterschiedliche Schicksale und Geschichten auf dieser Onkologie-Station.

Aber dieser Dreh ist nicht nur traurig – er hat auch schöne Momente. Wir drehen unseren Beitrag heute hier, weil wir die Künstler von ‚Helping Hands‘, vom Verein ‚Hand in Hand for Children‘, besuchen: ‚Au Backe‘, ‚Dr. Musikus‘, Serge Etringer und Andreas Wessels. Ein Clown, ein Musik-Künstler, ein Bauchredner und einer der weltbesten Jongleure. Sie treten heute in der Charité auf, bringen Spaß an diesen Ort, der sonst von Krankheit geprägt ist.

 

 

Und wie sie das machen, lässt auch mich strahlen: Sie tun es mit Herz und einer solchen Leidenschaft, dass man sie umarmen und Danke sagen möchte. Ich stehe im Hintergrund, mache mir ein paar Notizen, denke noch mal über die Fragen nach, die ich gleich der Ärztin stellen werde – und sehe, wie Au Backe zaubert, Serge seinen Vogel Gandolf zum Sprechen bringt, wie Andreas mit Bällen jongliert und Dr. Musikus im blinkenden Kostüm über den Flur fährt. Und ich sehe immer wieder ein Lächeln im Gesicht der Kids. Es ist plötzlich Leben da, die Helping Hands helfen grade wirklich. Sie legen einen kleinen Farbfilter auf den schlimmen Alltag, der nur aus „Blutbild-Werte checken und Infusionen“ besteht, wie mir Julia vorher erzählt hat.

Trotzdem will sie bei mir nicht verschwinden, diese Mischung von fröhlicher Traurigkeit. Auch als das Team und ich uns verabschieden, es ist inzwischen 17 Uhr, und in die Redaktion zurückfahren. Es wird ziemlich knapp heute, der Beitrag soll schon um 20 Uhr in der Sendung laufen und ich habe noch keine Zeile geschrieben. Auf der Rückbank notiere ich ein paar Ideen in meinen Block und spreche mit den Kollegen über den Dreh. Auch das tut gut: Kurz mal sagen, dass einen das gerade mitgenommen hat.

In der Redaktion: Sofort vor den Computer. Text schreiben, Material auswählen. Die Bilder sind beeindruckend und bedrückend zugleich, die lachenden Kindergesichter mit den großen Augen und gleichzeitig die fehlenden Haare und die Infusionen, an die sie gefesselt sind.

 

 

Diese Begegnungen wirken in mir noch immer nach, ich denke viel an die kleinen Patienten von Station 30.

Clown Christian hat mir im Interview auch noch erzählt, dass er sich durch diesen Job verändert hat: Er kam mal direkt aus einer Krebsklinik und fuhr mit der Bahn nach Hause. Der Zug hatte 40 Minuten Verspätung. „Es war unfassbar, wie sich all die Menschen mit ihren Aktentaschen und Handys so darüber aufgeregt haben. Ich wollte am liebsten hingehen und sagen: Seien Sie doch froh: Sie kommen heute wenigstens noch nach Hause.“ Er sei viel zufriedener geworden, rege sich nur noch über ganz wenig auf.

 

 

Er hat so Recht. Wir sollten uns öfter vor Augen halten, wie gut es uns geht – dass wir: gesund sind. Es gibt nichts Wichtigeres. Das nehme ich für mich bei diesem Dreh mit.

 

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