• 18.06.2018
  • 17:24 Uhr

Mordfall „Kandel“ vor Gericht

Im Dezember erstach Abdul D. seine Ex-Freundin Mia. Der Fall schlug hohe Wellen. Ein Prozess wie jeder andere?

Das Verfahren gegen den mutmaßlichen Mörder der 15-jährigen Mia findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Denn es ist noch nicht ausreichend bewiesen, dass Abdul D. volljahrig ist. Und das ist gleichzeitig einer der Hauptknackpunkte des Prozesses.

Jugendstrafe oder Erwachsenenstrafrecht?

Wird er strafrechtlich wie ein Erwachsener behandelt, oder wie ein Minderjähriger? Der vermutlich aus Afghanistan stammende Junge hatte selbst sein Alter zur Tatzeit mit 15 angegeben. Gutachten können sein Alter annähernd schätzen, aber nicht definitiv bestimmen. Er sei demnach aber mindestens 17,5 Jahre alt. Wahrscheinlich sogar schon 20. Röntgenaufnahmen von Handgelenken, Weisheitszähnen und Schlüsselbein legen diesen Schluss nahe. Sein Verteidiger plädiert trotzdem darauf, ihn nach Jugendstrafrecht zu behandeln. Dafür, dass er seine Exfreundin Mia am 27. Dezember 2017 vor einem Drogeriemarkt im pfälzischen Kandel erstochen hat. Die Anklage spricht von Eifersucht und Rache als Motiv. Eine Jugendstrafe beutet bis zu 10 Jahre Gefängnis. Nach Erwachsenenstrafrecht droht dem Angeklagten lebenslänglich.

„Es ist ein Prozess wie jeder andere – und das muss auch so sein,“

so bemüht sich der Gerichtssprecher Robert Schelp heute um Sachlichkeit. Denn der Fall hat deutschlandweit für Aufsehen gesorgt. Genau wie zuletzt der Mord der 14-jährigen Susanna in Wiesbaden. In dem 9000-Einwohner-Ort Kandel demonstrierten nach der Tat ortsfremde gegen Einwanderung und Flüchtlinge, das zog Gegendemonstrationen nach sich. Teilweise kam es zu Protesten der Anwohner, die Debatte auf ihrem Boden aus zu tragen.

„Die politische Dimension, die hier reininterpretiert wird, die kommt von außen,“ das bestätigte auch der Gerichtssprecher. Und entsprechend geschützt war der erste Prozesstag heute. Dutzende Polizisten waren im Einsatz. Es blieb aber ruhig.

  • 05.01.2018
  • 18:19 Uhr

Auf Ex-Freundin (17) eingestochen – Afghane (16) in U-Haft

Zwei junge Frauen sind binnen weniger Tage mutmaßlich von ihren Ex-Freunden mit Messern angegriffen worden.

Der Fall in Kandel hatte eine Debatte über Altersbestimmungen von Flüchtlingen losgetreten. (Symbolfoto)

Nur wenige Tage vor der tödlichen Messerattacke auf eine 15-Jährige im rheinland-pfälzischen Kandel hat sich im nur 90 Kilometer entfernten Darmstadt ein ganz ähnliches Verbrechen ereignet. Dort wurde am 22. Dezember eine 17-Jährige durch Messerstiche schwer verletzt. Der mutmaßliche Täter: ein 16-jähriger Afghane.

Problematische Altersbestimmung 

Der junge Mann soll mit einem Springmesser mindestens zehn Mal auf seine Ex-Freundin eingestochen haben. Am Tag nach der Bluttat teilte die Polizei mit, dass die 17-Jährige, die in Darmstadt lebt, nicht mehr in Lebensgefahr schwebe.

Der Tatverdächtige sitzt seitdem wegen versuchten Mordes in Untersuchungshaft. Wie die Staatsanwaltschaft mitteilte, räumt er die Tat ein. Das genau Motiv sei bis heute noch unklar.

Probleme bereitet den Behörden die Ermittlung des Alters des Afghanen. Sowohl in diesem wie auch im Kandel-Fall sollen Gutachten das exakte Alter der Tatverdächtigen klären.

Tatverdächtiger lebte in einer Wohngruppe

Eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Darmstadt sagte, der junge Afghane sei vermutlich ohne Papiere eingereist und sehe „deutlich älter aus“, als es das angegebene Alter vermuten lasse. Andererseits seien das lediglich äußere Merkmale, die allein noch keinen Hinweis auf das tatsächliche Alter lieferten. Diese Ergebnisse lägen aber erst in „einigen Monaten“ vor. Es müssten zahlreiche einzelne Untersuchungen etwa der Zähne vorgenommen werden, so die Sprecherin weiter.

Der Tatverdächtige war Polizeiangaben zufolge 2015 nach Deutschland gekommen und hatte zuletzt in einer Wohngruppe in Darmstadt gelebt. Sein Alter sei – wie im Fall des mutmaßlichen Täters von Kandel – in Frankfurt/Main festgestellt worden. Laut „hr-info“ geschah dies im Jugendamt der Stadt.  Ein Sprecher der Stadt sagte, im Vorfeld der Tat seien keine Auffälligkeiten über den Tatverdächtigen bekannt gewesen. Auch mit Blick auf sein Alter habe es keine Bedenken gegeben.

  • 30.12.2017
  • 12:29 Uhr

„Zeig mir deine Hand!“- Politiker fordern Alterscheck bei Flüchtlingen

Die CSU will mittels medizinischer Untersuchungen wie etwa der Handknochen künftig das Alter von Asylbewerbern feststellen.

Die CSU fordert einen Altersnachweis für Asylbewerber, doch das ist laut Ärzten nahezu unmöglich.

Nach immer stärkeren Zweifeln am Alter des 15-jährigen Afghanen, der am Mittwoch in einem Drogeriemarkt in Kandeln seine ebenfalls 15-jährige Ex-Freundin erstach, fordern Politiker jetzt gründlichere Altersprüfungen bei jungen Flüchtlingen.

Die CSU geht sogar einen Schritt weiter und verlangt eine verpflichtende Altersfestellung mittels medizinischer Untersuchungen wie etwa der Handknochen.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann teilte den Zeitungen der Funke-Mediengruppe mit: „Wir brauchen eine strikte Regelung für eine medizinische Altersüberprüfung von allen ankommenden Flüchtlingen, die nicht klar als Kinder zu erkennen sind.“ Dafür werde sich die CSU in den Koalitionsverhandlungen mit der SPD einsetzen

Auch der innenpolitische Sprecher der CSU, Stephan Mayer, sprach sich für einen medizinischen Alterscheck aus. Gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung sagte er, dass es sehr gute Gründe dafür gebe, eine verpflichtende medizinische Feststellung des Alters von angeblich minderjährigen Jugendlichen, wie in vielen anderen EU-Ländern, vorzunehmen.

Verlässlicher Alterscheck unmöglich

Ärzte und Experten halten eine medizinische Altersprüfung allerdings für unmöglich.  Bislang gebe es keine verlässliche wissenschaftliche Methode das Alter eines Menschen zu bestimmen.Laut des Ministeriums betrage eine ärztliche Altersfestellung ein bis zwei Jahre nach oben und unten und verwies dabei auf Stellungnahmen des Deutschen Ärztetages.

Professor Andreas Schmeling, der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft für Forensische Altersdiagnostik erklärte jedoch einer Zeitung: «Zwar kann man nicht das exakte Alter bestimmen, doch der zweifelsfreie Nachweis der Volljährigkeit ist möglich.»

Der SPD-Innenexperte Burkhard Lischka lehnt eine Untersuchungspflicht ab, befürwortete aber einheitliche Standards, auf die sich Bund und Länder einigen sollten. „Es ist unbefriedigend, wenn jedes Jugendamt in Deutschland weitestgehend eigenständig entscheidet, wie die Altersfeststellung erfolgt“, sagte er der „Welt am Sonntag“.

  • 29.12.2017
  • 14:45 Uhr

Bluttat in Kandel: Afghane soll älter als 15 Jahre sein

Zum ersten Mal äußerte sich jetzt auch der Vater der Getöteten.

Nach der tödlichen Messerattacke auf eine 15-Jährige im rheinland-pfälzischen Kandel, gibt das Alter des mutmaßlichen Täters weiter Rätsel auf. Der Afghane, angeblich 15 Jahre alt, hatte in einer Drogerie mit einem Küchenmesser auf seine Ex-Freundin eingestochen.

Der Vater der Getöteten äußerte sich nun erstmals zum Ex-Freund seiner Tochter Mia. „Er ist nie und nimmer erst 15 Jahre alt. Wir hoffen, dass wir durch das Verfahren jetzt sein wahres Alter erfahren.“, so der Mann zur „BILD“-Zeitung. Trotz seines möglicherweise jugendlichen Alters droht Abdul D. eine lange Haftstrafe – maximal jedoch 10 Jahre im Jugendstrafrecht.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Afghanen derzeit Totschlag vor. Sie prüft aber auch, ob sogenannte Mordmerkmale vorliegen.

Der 15-Jährige soll nach dem Ende einer mehrmonatigen Beziehung, das Mädchen über soziale Netzwerke und telefonisch immer wieder bedrängt haben.  Bereits Mitte Dezember hatten die Eltern des Mädchens den Jungen wegen Beleidigung, Nötigung und Bedrohung angezeigt. Laut „BILD“ sagte der Vater, er habe den Jungen „wie einen Sohn aufgenommen“. Nachdem sich das Mädchen von dem Jungen getrennt hatte, habe er sie „gestalkt und war eifersüchtig“.

Derzeit sitzt der Afghane in Untersuchungshaft.

  • 28.12.2017
  • 10:00 Uhr

Nach Messerattacke: 15-Jähriger in U-Haft

Die beiden Jugendlichen hatten zuvor offenbar Streit.

Im rheinland-pfälzischen Kandel ist am Mittwochabend ein 15 Jahre altes Mädchen von einem gleichaltrigen erstochen worden. Beide waren zum Tatzeitpunkt in einem Drogeriemarkt. Der junge Afghane  wollte zunächst flüchten, konnte aber von Passanten gestoppt und von der Polizei festgenommen werden.

Laut den Ermittlern war der Messerstecherei ein Streit vorausgegangen. Den zwei männlichen Begleitern des Mädchens war es nicht gelungen, den 15-Jährigen zu überwältigen. Er stach mit einem Küchenmesser auf die Schülerin ein, die später im Krankenhaus an ihren schweren Verletzungen verstarb.

Der Junge wurde heute dem Haftrichter vorgeführt und sitzt derzeit in U-Haft. Er schweigt bislang zu den Vorwürfen. So ist derzeit auch noch unklar, worüber die beiden gestritten haben.. Laut Medienberichten gehen die Ermittler allerdings von einer Beziehungstat aus. Das Mädchen hatte das Verhältnis zu dem jungen Afghanen erst vor wenigen Wochen beendet. Sie war bereits kurz danach von ihm bedroht worden. Ihre Eltern erstatteten sogar Anzeige gegen ihn.

Der 15-jährige Afghane lebt sei April 2016 in Deutschland. Er ist laut Polizei als unbegleiteter minderjähriger Flüchtling eingereist. Erst seit September 2017 lebt er jedoch in einer Jugendeinrichtung in Neustadt ganz in der Nähe des Tatorts. Er war bereits im November aufgefallen, weil er auf einem Schulhof gewalttätig wurde.

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