• 11.08.2017
  • 19:19 Uhr

Sichtschutzwände gegen Gaffer

In Bayern neu, in Nordrhein-Westfalen schon lange Standard.

Mitarbeiter der Autobahnmeisterei Fischbach bei Nürnberg (Bayern) bauen zu Demonstrationszwecken spezielle Sichtschutzwände auf, die Unfallstellen von neugierigen Blicken abschirmen sollen.

Sie sorgen immer wieder für Behinderungen bei Notfalleinsätzen und lebensrettenden Maßnahmen – die Rede ist von Gaffern. An Unfallorten knipsen sie mit Handykameras wild drauf los, ohne Rücksicht auf Helfer und Opfer. Oftmals blockieren sie dabei auch Rettungswege und verursachen sogar Unfälle. Das soll sich jetzt ändern, zumindest in Bayern.

In einem Pilotprojekt  werden dort nun Sichtschutzwände getestet, die an Unfallstellen aufgestellt werden, um vor neugierigen Blicken zu schützen. Die Wände können bis zu 100 Meter lang sein. Laut Verkehrsminister Joachim Herrmann soll das Projekt bis Ende 2018 laufen. Sollte es Erfolg bringen, könnte die Probezeit auch verkürzt und mehr Sichtschutzwände im größeren Stil beschafft werden. In anderen Bundesländern wurde das schon vor längerer Zeit umgesetzt, in Nordrhein-Westfalen zum Beispiel schon seit 2015. Rettungskräfte fühlen sich, laut Erfahrungsberichten, sicherer hinter den Wänden und könnten konzentrierter arbeiten, erklärt Herrmann.

Die Idee zu dem Projekt kam auf, nachdem Rettungskräfte bei einem Unfall mit einem Feuerwehrauto massiv behindert wurden. Bei dem Unfall kam ein Mann ums Leben. Auch bei einem schlimmen Busbrand Anfang Juli gab es Schwierigkeiten beim Bilden einer Rettungsgasse. Polizei und Feuerwehr beklagten sich später über Gaffer, die ungeniert ihre Smartphones gezückt hatten, um Fotos und Videos zu machen.

„Es ist wirklich unbegreiflich, wie sich Autofahrer hier verhalten. Deshalb müssen wir versuchen, dem bestmöglich entgegenzuwirken“, so Herrmann.

„Die Idee ist gut und richtig“, so Jan Velleman von der Gewerkschaft der Polizei (GdP) in NRW. Leicht umzusetzen sei das Prinzip aber nicht. Passiert ein Unfall auf der Autobahn, sei das Risiko von Folgeunfällen durch Gaffer besonders hoch und in den ersten Momenten ist in der Regel noch keine Sichtschutzwand aufgestellt. Dafür sei es umso lohnenswerter, die Wände bei längeren Einsätzen und Bergungsarbeiten einzusetzen. „Ein Allheilmittel“ seien sie aber nicht, laut Velleman.

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