• 13.07.2017
  • 20:12 Uhr

Gewalt gegen Kinder nimmt zu

Besonders sexueller Missbrauch erreicht durch Soziale Netzwerke eine neue Dimension.

Kinderschützer und Behörden sind angesichts der steigenden Zahlen von Gewalt gegen Kinder alarmiert. Im letzten Jahr wurden 133 Kinder unter 14 Jahren ermordet, totgeschlagen oder auf andere Art und Weise tödlich verletzt. Das ist ein Anstieg um 2 Prozent zum Vorjahr. So steht es in der Polizeilichen Kriminalstatistik. Auch bei versuchten Tötungsdelikten ist die Zahl gestiegen, genau wie bei Misshandlungen.

Insgesamt sind fast 14.300 Kinder im letzten Jahr Opfer sexueller Gewalt geworden, fast 400 mehr als 2014 oder 2015. Die Dunkelziffer ist wahrscheinlich noch viel höher, so Julia von Weiler, Kinderpsychologin und Expertin für Gewalt im Netz. Laut einer Studie der Universität Ulm sind bis zu eine Million Kinder betroffen. Das wären in jedem Klassenzimmer zwei Kinder.

Doch was sind die Gründe für die schrecklichen und besorgniserregenden Zahlen? Oftmals seien Leistungsdruck in Schule und Elternhaus ein Auslöser für Gewalt. Dies äußert sich dann in Form von Schlägen, sexuellem Missbrauch, Demütigungen und Einsperren, erklärt Kathinka Beckmann, Professorin für Pädagogik an der Hochschule Koblenz.

Gewalt gegen Kinder sei außerdem eine alltägliche Sache. „Es zieht sich durch alle Milieus. Das heißt, wir haben Hartz 4-Familien, aber auch Akademikerfamilien, in denen verschiedenste Formen von Gewalt tagtäglich passieren.“

Ein Paradies für die Täter sind soziale Netzwerke und Onlinespiele. Minderjährige mit dem Ziel sexueller Kontakte anzusprechen, wird durch Handy und Computer vereinfacht, da die Täter die Möglichkeit bekommen, einfach Informationen über die Kinder zu sammeln. Von Weiler forderte bereits in der Vergangenheit, dass dieses sogenannte „Cyber Grooming“ unter Strafe gestellt wird.

Auch Kinderpornographie entwickelt sich immer mehr zu einem unüberschaubaren Problem, da sie sich diese vermehrt in das sogenannte Darknet zurückzieht. „In diesen Foren wird sexueller Missbrauch verniedlicht, verharmlost“ meint der hessische Oberstaatsanwalt Andreas May. Erst Anfang Juli wurde die Kinderpornplattform „Elysium“ abgeschaltet. Die Datenmengen seien laut May „der schiere Wahnsinn“ gewesen. Die Plattform hatte mehr als 87.000 Mitglieder und seit Ende des letzten Jahres war dort weltweit kinderpornographisches Material verbreitet und ausgetauscht worden.

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