• 24.09.2017
  • 19:51 Uhr

#BTW2017: Die Gewinner und Verlierer

Trotz aller Warnungen zieht erstmals seit über 50 Jahren eine Partei rechts der Union in den Bundestag.

Die ersten Zahlen liegen vor – und es zeichnet sich schon recht deutlich ab, bei welchen Parteien heute Abend vermutlich noch ordentlich gefeiert wird und welche sich von dem Schock dieser Wahl erstmal wieder erholen müssen.

Die Gewinner

CDU/CSU
Es kommt tatsächlich nicht ganz unerwartet: Die meisten Deutschen haben wenig Bock auf Veränderung. Und so deutet alles darauf hin, dass sich die Christlich Demokratische Union wieder als stärkste Kraft aus der Bundestagswahl hervorgeht, wenn auch mit weniger Prozenten als von der Partei selbst erhofft. Angela Merkel wird uns dann dennoch wohl vier weitere Jahre als Bundeskanzlerin erhalten bleiben.

AfD
Auch den Einzug der populistischen Alternative für Deutschland hatten viele frühzeitig schon auf der Rechnung. Die Höhe der Prozente dürfte für deren Kritiker und alle übrigen Parteien dennoch ein ziemlicher Schock sein. Die AfD zieht – gerade einmal vier Jahre nach ihrer Gründung – erstmalig in den Bundestag ein, und das gleich als drittstärkste Kraft, also mit einer beachtlichen Zahl an Sitzen. Was dieser Rechtsruck dank vieler Protestwähler für Deutschland wirklich bedeutet, werden die nächsten vier Jahre mit Weidel, Gauland und Co. zeigen.

FDP
2013 sind die Freien Demokraten mit 4,7 Prozent knapp an der 5-Prozent-Hürde gescheitert. Umso größer dürfte die Freude im Lager der Liberalen jetzt sein, denn in diesem Jahr kehren Christian Linder und Kollegen in den Bundestag zurück – und das gleich an vierter Stelle. Hier hat gerade Lindners souveränes, wenn auch nicht unumstrittenes Auftreten in den letzten Wochen und Monaten seinen Zweck erfüllt. Und damit ist auch bewiesen: Probleme sind nur dornige Chancen, und die FDP hat ihre fürs Erste gelöst.

Die Linke
Womöglich hatte sich die ehrgeizige Sahra Wagenknecht von dieser Bundestagswahl noch mehr erhofft, aber im Vergleich zu 2013 ging es zumindest ein bisschen bergauf. Es ist das zweitbeste Ergebnis der Linken überhaupt. Tatsächlich trat die Partei in direkter Konkurrenz um Platz drei gegen die AfD an und konnte trotz massiven Straßenwahlkampfs die Menschen nicht genug überzeugen, was sie zu Gewinnern und Verlierern gleichermaßen macht. Die Partei, die in der Tradition der SED steht, spricht mit ihrer angestrebten Form des demokratischen Sozialismus zumindest in den neuen Bundesländern noch immer einige an, schreckt genau damit aber im Rest der Republik die meisten offenbar auch ab.

Die Verlierer

SPD
Noch schlimmer als die letzten Umfragen befürchten ließen, ist es für die Sozialdemokraten gelaufen. Im Vergleich zu 2013 haben sie noch einmal ganz schön Federn gelassen, was angesichts der noch vor wenigen Monaten so großen Parteihoffnung Martin Schulz ein ziemlich herber Rückschlag ist. Nun bleibt abzuwarten, wie es mit dem Mann aus Würselen politisch weiter geht, den Job als Bundeskanzler muss er sich jetzt wohl oder übel abschminken.

Bündnis 90/Die Grünen
Auch die Grünen sind im Bundestag, mit einem Ergebnis, das Cem Özdemir, Katrin Göring-Eckardt und alle anderen Parteimitglieder nicht unbedingt zufriedenstellen dürfte. Die Grünen agierten schon im Wahlkampf ziemlich farblos und dürften angesichts der ersten Zahlen ebenfalls recht blass geworden sein. „Am nächsten Sonntag werden wir so’n richtigen, richtigen Überraschungscoup landen“, rief Frau Göring-Eckardt noch beim letzten Parteitag. Das klang schon nicht besonders selbstbewusst und hat sich am Ende auch nicht eingelöst.

Und zum Schluss noch eine gute Nachricht, die alle Demokraten erfreuen sollte: Die Wahlbeteiligung war voraussichtlich höher als vor vier Jahren (Nach Hochrechnungen lag die Wahlbeteiligung 2017 zwischen 75 und 76,5 Prozent).  Die konkreten und immer aktuellen Zahlen zur Wahl gibt es HIER.

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