• 01.07.2017
  • 22:30 Uhr

Abschied von einem großen Europäer

Nach dem Trauerakt im EU-Parlament in Straßburg wurde Helmut Kohl am späten Abend in Speyer beigesetzt.

Bei einem Trauerakt im EU-Parlament verneigte sich die politische Spitze aus Vergangenheit und Gegenwart vor Helmut Kohl, einem der bedeutendsten Staatsmänner des Kontinents.

Ein „europäischer Patriot“ und „Nachkriegsgigant“ habe uns verlassen, sagte EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker.

Bundeskanzlerin Angela Merkel nannte Kohl einen großen Brückenbauer. „Er war ein den Menschen zugewandter Weltpolitiker“, so die CDU-Chefin. Jetzt müssten die nächsten Generationen sein Vermächtnis bewahren – den engagierten, unermüdlichen Einsatz für Frieden, Freiheit und Einheit.

Der französische Präsident Emmanuel Macron würdigte den Altkanzler als großen Freund seines Landes. „Helmut Kohl reichte uns die Hand.“ Macron erinnerte an die Annäherung beider Länder in den 80er Jahren und die Nähe Kohls zum damaligen französischen Präsidenten François Mitterrand.

 

 

Der frühere US-Präsident Bill Clinton sagte, Kohl habe eine Welt gewollt, in der Zusammenarbeit als besser gilt als der Konflikt. „Er wollte eine Welt schaffen, in der niemand niemanden dominiert.“ Zum Schluss sagte Clinton: „Du hast das gut gemacht in deinem Leben. Und wir, die wir dabei sein durften, lieben dich dafür.“

Der mit einer Europaflagge bedeckte Sarg des „Vaters der Deutschen Einheit“ war am Morgen aus Kohls Haus in Ludwigshafen-Oggersheim nach Straßburg gebracht worden.

Am Nachmittag brachte ein Hubschrauber den Sarg mit dem Leichnam Kohls zurück nach Ludwigshafen. Die letzten Kilometer bis ins nahe Speyer ging es dann per Schiff. Im Dom zu Speyer wurde dann am Abend eine Totenmesse abgehalten. Nach einem militärischen Ehrenzeremoniell der Bundeswehr ist Kohl dann auf einem nahen Friedhof in Speyer im Freundes- und Familienkreis beigesetzt worden.

  • 16.06.2017
  • 18:01 Uhr

Altkanzler Helmut Kohl gestorben

Er wurde 87 Jahre alt.

Der frühere Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) ist tot. Er starb im Alter von 87 Jahren, wie sein Anwalt Stephan Holthoff-Pförtner mitteilte. Laut „Bild“ starb er heute Morgen in seinem Haus in Ludwigshafen.

Seit einem Sturz und Schädel-Hirn-Trauma 2008 war Kohl schwer krank und saß im Rollstuhl. 2015 hatte sich sein Zustand deutlich verschlechtert, nach monatelangem Klinikaufenthalt kam er aber wieder zu Kräften.

 

 

Kohl hat Deutschland von 1982 bis 1998 als Bundeskanzler regiert – 16 Jahre, so lange wie bisher niemand vor und nach ihm. Er war Wegbereiter der Europäischen Union und einer gemeinsamen Währung. Als sein größter Erfolg gilt die deutsche Wiedervereinigung. Kohl erkannte nach der friedlichen Revolution in der DDR 1989, dass das Fenster für die deutsche Einheit nur kurz geöffnet sein würde. Unter Hochdruck handelte er mit den Staats- und Regierungschefs der USA, der Sowjetunion, Großbritanniens, Frankreichs sowie den Verantwortlichen der Europäischen Union die Modalitäten dafür aus.

Von 1969 bis 1976 war der geborene Ludwigshafener Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, von 1973 bis 1998 war er CDU-Bundesvorsitzender. Anfang der 90er Jahre war Kohl Ziehvater von Angela Merkel in Bundesregierung und Partei. Wegen einer Spendenaffäre, in die Kohl maßgeblich verwickelt war, forderte Merkel Ende der 90er Jahre als damalige CDU-Generalsekretärin die Partei zur Loslösung vom Übervater auf. Ihr Verhältnis zu Kohl blieb bis zuletzt belastet.

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